Lindh-Mord "praktisch gelöst"

29. September 2003, 12:44
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Inhaftierter in Besorgnis erregendem psychischem Zustand

Stockholm - Für die schwedische Polizei ist der Mord an Außenministerin Anna Lindh nach dem gegenwärtigen Stand der Fahndung praktisch gelöst. Stockholms Polizeichefin Carin Götblad sagte in der Zeitung Dagens Nyheter, die Fahnder konzentrierten sich jetzt ausschließlich auf den seit Mittwoch inhaftierten 24-jährigen Schweden und gebürtigen Serben. Anonym äußerten sich an der Fahndung Beteiligte, dass der Inhaftierte als Täter eindeutig überführt sei.

Anfang kommender Woche soll aus einem britischen Speziallabor in Birmingham die Analyse von DNA-Spuren an dem Messer vorliegen, mit dem die schwedische Außenministerin am 10. September erstochen worden ist.

Der inhaftierte Verdächtige hatte nach Medienangaben wenige Stunden vor dem Attentat vergeblich um Einweisung in eine psychiatrische Station gebeten. Der Mann sei mit der Begründung abgewiesen worden, er sei für stationäre Behandlung nicht krank genug. Derzeit soll er in der Haft an einer akuten Psychose leiden. Der Inhaftierte soll bis nächste Woche nicht verhört werden.

Freigelassener klagt

Der gleichzeitig mit der Festnahme des 24-Jährigen am Mittwoch freigelassene erste Tatverdächtige warf der Polizei unterdessen vor, ihn länger als nötig festgehalten zu haben. Damit hätten sich die Fahnder Zeit für die Spurensicherung im Hinblick auf den jetzt inhaftierten Mann nehmen wollen. Der 35-Jährige sagte weiter, sein Leben sei durch die massive Berichterstattung in den Medien während seiner einwöchigen Haft "zerstört". Er will nun von Zeitungen und Sendern Schadenersatz verlangen, die unter anderem über seine sexuellen Neigungen berichtet hatten. Von den Behörden will er Haftentschädigung fordern; es wird geschätzt, dass er für die mehrtägige Haft etwa 100.000 Euro bekommen könnte.

Schwedens Außenministerin Anna Lindh war am 10. September unbewacht einkaufen gegangen, als ein Mann sie auf der Rolltreppe des NK-Kaufhauses niederstach. Sie erlag trotz mehrstündiger Notoperation ihren schweren Verletzungen. (APA, dpa/DER STANDARD, Printausgabe, 29.9.2003)

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