"011 Beograd": Weggehen hilft auch nichts

23. Juli 2004, 10:14
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Michael Pfeifenbergers fahriges Jugenddrama "011 Beograd"

Wien – Geschichten aus großen Städten, in denen Lebensbedingungen aus dem Dasein mittelloser Jugendlicher nachvollziehbar werden: Das ist etwa das Programm von Survival in the City, einer Filmreihe, welche die Wiener Produktionsfirma Novotny & Novotny initiiert hat.

Der heimische Regisseur Michael Pfeifenberger hat mit 011 Beograd nun den ersten Film dazu fertig gestellt – andere Städte und Filmemacher sollen folgen. Das vom Krieg gezeichnete Belgrad bietet sich für ein solches Unternehmen nachgerade an, denn nicht nur der Jugend fehlt es hier an zivilen Strukturen und ökonomischen Perspektiven.

Es ist ein von Unbeweglichkeit bestimmtes Spannungsfeld, in dem Pfeifenberger seine Protagonisten Dejan, Maja und Danja platziert – alle drei werden von serbischen Schauspielern verkörpert. Dass sie etwas zu verbergen haben, eint sie: Während Maja die Mätresse für einen lokalen Mafioso abgibt, ist Danja aus Berlin heimgekehrt, ohne ihren Freunden zu gestehen, dass sie ausgewiesen wurde.

Dejan wiederum, die Hauptfigur, ist ein Slacker, den es nirgendwo lange hält: Wie als Symbol für seinen unsteten Geist geht jeder seiner Schlafplätze irgendwann in Flammen auf. Er träumt davon, selbst nach Deutschland auszuwandern und unterhält sich darüber mit seinem toten Freund, der im Laufe des Films immer lebendiger wird.

011 Beograd versucht meist realistisch, mit ein paar fantastischen Einschüben, eine gleichermaßen orientierungs-wie hilflose Jugend zu zeigen, die sich lieber etwas vormacht, als den Tatsachen ins Auge zu sehen. Den Wert von Freundschaften zu erkennen kann helfen, so die Botschaft des Films: Sein fahriger Gestus vermag dieser kaum Wirkung zu verleihen.

Pfeifenberger reißt zwar genügend Themen an – Vaterkonflikt, der Weg in die Prostitution und Kriminalität -, entwickelt daraus aber keinen Sog. Und auch das Spezifische am Topos Belgrad will nicht recht einleuchten: In gelb-und violettstichigen Bildern sieht man Plattenbauten, zersprengte Brücken und andere desolate Ansichten, selten aber sind sie mehr als das Negativ zum Touristenklischee. (DER STANDARD, Printausgabe vom 29. September 2003)

Von
Dominik Kamalzadeh

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Novotny & Novotny

  • Artikelbild
    foto: produktionsfirma novotny & novotny
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