Hilfe für den Heiligen Geist

6. Oktober 2003, 18:46
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Josef Kirchengast über die angekündigte Ernennung von 31 neuen Kardinälen durch Papst Johannes Paul II

Da ist einiges Überraschendes an der Ernennung neuer Kardinäle, die Johannes Paul II. am Sonntag im Vatikan verkündet hat. Und doch auch wieder nicht.

Zunächst der Zeitpunkt: Die Ernennung wurde ursprünglich erst für Februar 2004 erwartet. Dass sie vorgezogen wird, ist ein deutlicher Hinweis auf den sich weiter verschlechternden Gesundheitszustand des Papstes. Aber hatte der nicht selbst schon vor einem halben Jahr von seinem Tod gesprochen und damit das bis dahin größte vatikanische Tabu gebrochen?

Dann die Herkunft der neuen Kardinäle: Eine Gewichtsverschiebung zugunsten der Dritten Welt wurde allgemein erwartet. Jetzt sind es 18 neue Europäer, doppelt so viele wie aus Lateinamerika, Afrika und Asien zusammen. Aber ist nicht die "Neuevangelisierung" Europas das Hauptanliegen des polnischen Papstes?

Schließlich die größte Überraschung für Vatikanologen: dass der persönliche Sekretär des Papstes, der polnische Bischof Stanislaw Dziwisz, nicht unter den neuen Kardinälen ist. Dsiwisz hätte, im Sinne Johannes Pauls II., die Schlüsselrolle bei der Wahl des nächsten Papstes spielen können, heißt es. Aber sollte ausgerechnet dieser Papst, dessen moralische Autorität als Verfechter von Menschenrechten und Menschenwürde - ungeachtet seiner kirchlichen Positionen - weltweit anerkannt ist, seine Nachfolge mit taktischen Manövern regeln wollen?

Fest steht nur, dass das Kardinalskollegium stark verjüngt wird: Mit den Neuen steigt der Anteil der "Jüngeren" von 31 auf fast 40 Prozent. Am Vorabend der Ernennungen hatte Johannes Paul II. seine beiden Vorgänger gewürdigt: Sie seien innerlich frei gewesen, weil ihnen bewusst gewesen sei, dass der Heilige Geist wehe, wo er wolle. Mit seinen Personalentscheidungen scheint Papst Wojtyla es dem Heiligen Geist zumindest nicht schwerer gemacht zu haben. (DER STANDARD, Printausgabe, 29.9.2003)

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