Kopf des Tages: SP-Wahlsieger, der Most statt Wein trinkt

26. Jänner 2004, 16:05
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Erich Haider ist strahlender Gewinner der oberösterreichischen Landtagswahl

"Haider" war bis jetzt innenpolitisch eine Marke mit eindeutigem Wiedererkennungswert. Wer Haider sagte, meinte Jörg, den Kärntner Landeshauptmann und FPÖ-Impresario. Das wird künftig nicht mehr reichen. Wer "Haider" sagt, muss dazusagen, welchen er meint: Jörg oder Erich.

Denn Erich Haider, seines Zeichens SPÖ-Landesobmann in Oberösterreich, ist seit seinem Wahlerfolg bei der Landtagswahl nicht nur im Land, sondern auch in der SPÖ selbst zu einem gewichtigen Player geworden - eine Rolle, die er sichtlich genießt.

Schon im Wahlkampf hat sich der 46-jährige Diplomingenieur der Informatik genüsslich - und ohne große Berührungsängste hinsichtlich populistischer Aktionen - inszeniert: Als Rächer der aller Regierungsämter beraubten Bundes-SPÖ forderte er Landeshauptmann und VP-Landeschef Josef Pühringer stellvertretend für die "Gemeinheiten" der schwarz-blauen Bundesregierung zum politischen Duell.

Die Pensionsreform wurde auf Landesebene noch einmal nachbearbeitet, 33.000 Unterschriften für ein Volksbegehren gegen den "Pensionsraub" lieferte der amtierende Landesrat für Verkehr, Wohnbau und Arbeitnehmerfragen öffentlichkeitswirksam persönlich nach Wien

Allerdings hielt sich die Unterstützung der Bundes-SPÖ für den oberösterreichschen Aufrührer - er stimmte als Einziger im SP-Präsidium gegen Koalitionsverhandlungen mit der ÖVP - in relativ engen Grenzen. Zum Teil ein selbst verschuldetes Problem Haiders, der den Kurs der Bundespartei gegen die Pensionspläne der Regierung für zu windelweich hielt und das auch freimütig bekundete.

Schließlich fühlte sich der gebürtige Mühlviertler und leidenschaftliche Tarockierer durch die Weinexpertisen des SP-Chefönologen Gusenbauer animiert, "wegen der medialen Wirkung in Jungmost-Verkostungen einzusteigen".

Aber als historischer Treppenwitz werden die zwei besten Wahlhelfer Haiders in die Annalen eingehen: Namensvetter Jörg und Bundeskanzler Wolfgang Schüssel. Der eine hat die eigene, freiheitliche Wählerklientel durch das lustvoll inszenierte Chaos in der FPÖ erfolgreich in die Arme der SPÖ (zurück-)getrieben und gab das perfekte role-model für angriffige Politik.

Der andere, VP-Obmann Schüssel, hat seinen Parteifreund und Neinsager bei Schwarz-Blau II, Pühringer, die Zeche für den just während des Landtagswahlkampfes angesetzten Voest-Verkauf zahlen lassen. Eine Spielaufstellung, die Erich Haider, der "logisch denken und tarockieren wirklich gut kann", geschickt zu nutzen wusste.

In einem Punkt dürften Wahlsieger Erich Haider und Titelverteidiger Pühringer am Wahlabend einig gewesen sein: Beider Problem sitzt in Wien und heißt Schüssel.(Lisa Nimmervoll/DER STANDARD, Printausgabe, 29.9.2003)

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