COPD: Frauen unter der Lupe

14. Oktober 2003, 14:11
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Wien - Raucherhusten, chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD), tödliches Emphysem. - So sieht derzeit die Kaskade einer "Frauen-Epidemie" aus, die sich bei den Lungenerkrankungen weltweit abspielt. Durch den zunehmenden Zigarettenkonsum haben die Frauen bei der COPD in den westlichen Industriestaaten die Männer bereits eingeholt und sind dabei, diese sogar zu überholen, warnten am Sonntag Experten beim Europäischen Lungenkongress.

"In Dänemark sterben derzeit 65 von 100.000 Männern pro Jahr an der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung. Unter den Frauen sind es bereits 45 Todesfälle pro 100.000 und Jahr", erklärte Dr. Giovanni Viegi, Umwelt-Lungenspezialist aus Pisa (Italien).

COPD

Die COPD entwickelt sich zu gut 90 Prozent aus der ständigen Lungenschädigung durch die Rauchinhaltsstoffe. Das Atemvolumen nimmt oft fünf Mal schneller als "normal" mit zunehmendem Alter ab. Die chronische Bronchitis kommt hinzu. Schließlich geraten die Betroffenen in einen Teufelskreis inklusive Infektionen und Episoden, in denen ihre Lungenfunktion nicht mehr ausreicht. Am Ende steht die Lungenblähung (Emphysem).

Univ.-Prof. Dr. Rob Stockley (Großbritannien): "Die COPD ist die fünfthäufigste Todesursache weltweit. Während laut Weltgesundheitsorganisation WHO die Sterblichkeit in Folge von Herzkrankheiten zwischen 1965 und 1998 um 59 Prozent abgenommen hat (Schlaganfall: minus 64 Prozent, Anm.), stieg die COPD-Mortalität um 163 Prozent. 600 Mio. Menschen sind weltweit betroffen. Pro Jahr sterben daran rund 2,7 Mio. Personen."

Geringeres Atemvolumen

Der größte Teil dieser Besorgnis erregenden Entwicklung ist auf den Zuwachs der Fälle bei den Frauen zurück zu führen. Viegi: "Dabei reagiert die Lunge der Frauen an sich schon stärker auf Schadstoffe als die Lunge der Männer. Das Atemvolumen ist von Geburt an geringer." Somit multipliziert sich gerade bei den Frauen der negative Effekt der Zigaretten. Doch sie beginnen zunehmend früher zu rauchen und rauchen mehr Zigaretten.

Dr. Sonia Buist von der Universität von Portland im US-Bundesstaat Oregon: "In Großbritannien stieg zwischen 1990 und 1997 der Anteil der Männer, bei denen eine COPD diagnostiziert wurde, von 1,4 auf 1,5 Prozent. Bei den Frauen erhöhte sich dieser Anteil aber von 0,8 auf 1,4 Prozent."

Anstieg bei Frauen

Laut der für ihre epidemiologischen Studien seit Jahrzehnten weltbekannten US-Krankenversicherung Kaiser Permanente sind in den USA (1997 bis 2000) sechs Prozent der Männer, die zum Arzt gehen, wegen einer COPD in Behandlung. Doch das trifft mittlerweile auch schon für fünf Prozent der Frauen zu. In Großbritannien machen Frauen schon 46 Prozent oder fast die Hälfte der neuen Fälle mit der Krankheit aus.

In den USA - wie auch in manchen europäischen Staaten - sind Männer und Frauen bei der COPD faktisch gleichauf. Allerdings haben die Männer bei der Erkrankungshäufigkeit und bei den Todesfällen schon vor längerer Zeit ein Plateau erreicht oder "erholen" sich mittlerweile. Bei den Frauen zeigen die Kurven aber steil nach oben.

"Nur" ein Vorbote

Die "neue" Frauen-Epidemie der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) könnte aber auch nur der "Bote" für eine noch viel schlimmere Entwicklung sein: Frauen holen auch beim Lungenkarzinom im Vergleich zu den Männern auf. Wahrscheinlich erfolgt dies zeitversetzt zu dem eher auftauchenden Auftreten der COPD.

Freilich, die Frauen sind gerade bei der COPD noch schlechter dran als die Männer. Die US-Expertin Dr. Sonia Buist: "Die chronisch obstruktive Lungenerkrankung wird bei den Frauen viel zu oft nicht diagnostiziert." Sie gelte fälschlicherweise noch immer als "Männer-Leiden".

Deshalb wäre es besonders wichtig, dass speziell Raucher und Raucherinnen regelmäßig zur Lungenfunktionsprüfung (Spirometrie) gehen. Dann könnte man erste Alarmsignale erkennen.

Therapie

Die Therapie der COPD besteht in einem Stufenplan. Der italienische Experte Univ.-Prof. Dr. Leo Fabbri: "Bei einer leichten Lungenfunktionsschädigung werden kurz wirksame Broncho-Dilatoren (Bronchien-erweiternde Mittel, Anm.) empfohlen. Bei einer schwereren Erkrankung nimmt man lang wirksame Dilatoren. Reicht das nicht aus, kommt inhalierbares Cortison hinzu."

Bei den Medikamenten hat sich in den vergangenen Jahren einiges geändert. Mit Tiotropium (Boehringer Ingelheim) steht erstmals ein lang wirksames Anticholinergikum zur Verfügung, das die Bronchien erweitert.

Auf der anderen Seite haben neue wissenschaftliche Studien besonders bei COPD-Patienten mit moderater bis schwerer Erkrankung wiederum die anti-entzündliche Therapie betont.

Warten auf TORCH-Studie

Noch besser ist offenbar die Verwendung von Broncho-Dilatoren (Beta-Agonisten) und inhalierbarem Kortison bei schwerer COPD. So zeigte sich bei einer Kombination des lang wirksamen Bronchien-Erweiterers Salmeterol mit dem Kortison Fluticasone (GlaxoSmithKline) eine Abnahme der Häufigkeit von Episoden, in der sich die Situation der Patienten verschlechterte, um zusätzliche 42 Prozent. Laut einer am Sonntag beim Europäischen Lungenkongress präsentierten Studie verbessert sich durch diese Behandlung die Lebensqualität der Betroffenen deutlich.

Noch ist nicht bekannt, ob diese Therapie auch die Überlebensdauer der COPD-Patienten erhöht. Fabbri: "Das sollten wir aber bereits im Jahr 2006 mit den Ergebnissen der TORCH-Studie erfahren. Hier werden 6.196 zum Teil mit Salmeterol oder Fluticasone bzw. der Kombination von beidem behandelt." Dabei wird untersucht, wie sich die Mortalität der COPD-Patienten unter der Therapie in einem Beobachtungszeitraum von drei Jahren entwickelt. (APA)

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