Keine Angst vor ein bisschen Dreck

14. Oktober 2003, 14:11
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Je früher Kinder regelmäßig auf einen Bauernhof kommen, desto besser sind sie später vor Allergien geschützt

Wien - Je früher Kinder regelmäßig auf einen Bauernhof kommen und Kontakt mit dem durchaus nicht "sterilen" Landleben haben, desto besser sind sie später vor Allergien geschützt. Dies hat die deutsche Umweltmedizinerin Dr. Katja Radon (Universität München) bewiesen. Am Sonntag stellte sie ihre Ergebnisse in Wien vor.

Die Münchner Wissenschafter schickten an 4.537 Stadteinwohner im Alter zwischen 18 und 44 Jahren detaillierte Fragebögen über ihre Kontakte zum Landleben (Aufenthalt auf Bauernhöfen, Kontakt mit Tieren im Stall etc.) und über allfällige allergische Krankheiten (Heuschnupfen, Asthma etc.). 3.112 Personen antworteten.

Die Bilanz

Die Fachleute in der Zusammenfassung ihrer Arbeit: "Wenn man jene Personen, die nie Tierställe regelmäßig besucht hatten mit jenen verglich, die das getan hatten, zeigte sich bei Letzteren eine Verringerung der Häufigkeit von Heuschnupfen um 60 Prozent. Das erfolgte aber vor allem bei jenen Personen, die schon im ersten Lebensjahr öfter in Ställe gekommen waren."

Erfolgen die regelmäßigen Besuche auf Bauernhof bzw. im Stall erst ab dem Erreichen des Schulalters, reduzierte sich dieser Schutzeffekt beim Heuschnupfen auf eine Verringerung späterer Erkrankungen um 30 Prozent. Um sicher zu gehen, wurden auch alle Probanden nach Abgabe des Fragebogens immunologisch untersucht.

Wahrscheinlich ist der Kontakt mit Keimen und einfachem "Schmutz" für den Effekt entscheidend. Das soll das Immunsystem von Kleinkindern so trainieren, dass es später nicht auf ungefährliche Substanzen überreagiert,wie dies bei Allergien der Fall ist.

Bestätigung aus Österreich

Ähnliche Ergebnisse haben in den vergangenen Jahren auch österreichische Experten um Dr. Josef Riedler (Salzburg) erarbeitet. So befragten sie die Eltern von 2.283 Kindern im Alter zwischen acht und zehn Jahren aus ländlicher Umgebung und testeten 1.137 Kinder auf eine allergische Sensibilisierung als Voraussetzung für solche Erkrankungen.

Dabei stellten sich enorme Unterschiede zwischen Kindern, die auf Bauernhöfen lebten und Kindern, die nicht dort aufgewachsen waren, heraus:

- Heuschnupfen war nur bei 3,1 Prozent der Bauernkinder gegeben (10,3 Prozent bei Kindern, die nicht auf dem Bauernhof lebten).

- Ähnlich sah es bei der Häufigkeit von Asthma aus: 1,1 Prozent Häufigkeit bei den Kindern vom Bauernhof, 3,9 Prozent bei den übrigen. (APA)

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