"taz" feierte 25-Jahr-Jubiläum mit "Lieblingsfeinden"

3. Oktober 2003, 14:05
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"Bild"-Chef Diekmann durfte selbstironische Sondernummer gestalten - Erhöhte Auflage von 100.000 Exemplaren

Mit einer ganz speziellen Ausgabe hat die Berliner "tageszeitung" (taz) am Samstag ihr 25-jähriges Bestehen gefeiert: Das links-alternative Blatt überließ für diesen Tag Gestaltung und Inhalt weitgehend seinen "Lieblingsfeinden" unter der kommissarischen Leitung von "Bild"-Chefredakteur Kai Diekmann.

Autoren der Sonderausgabe

Der vorübergehenden Redaktion gehörten laut "taz" unter anderen Talkmaster Jürgen Fliege, die frühere PDS-Chefin Gabi Zimmer, Ex-Verteidigungsminister Rudolf Scharping, Brandenburgs Innenminister Jörg Schönbohm (CDU), FDP-Chef Guido Westerwelle und Ex-Industriepräsident Hans-Olaf Henkel an.

Aufmacher der selbstironisch auf konservativ getrimmten Ausgabe war ein von Diekmann geführtes Gespräch mit Altbundeskanzler Helmut Kohl, der bisher noch nie von der "taz" zum Interview gebeten wurde. Darin bekräftigte der Ex-CDU-Vorsitzende seine tiefe Abneigung gegen die als links geltende Presse wie "Spiegel", "Stern" und "Zeit", deren Interviewwünsche er seit Jahrzehnten ablehnt. Zu den Autoren der Sonderausgabe zählten ferner "Focus"-Chefredakteur Helmut Markwort, Musikproduzent Ralph Siegel und "Bild"-Kolumnist Franz Josef Wagner.

"Gruß aus Bayern"

Als Beiträge erschienen unter anderen ein Kommentar des früheren "Bild"-Chefredakteurs Peter Boenisch, ein "Gruß aus Bayern" von CSU-Landesgruppenchef Michael Glos und eine mit der Autorenzeile Dieter Bohlen versehene Satire mit dem Titel "Mein Leben als Juso". Dass so viele "Lieblingsfeinde" der Einladung des "tageszeitung" gefolgt seien oder einen Beitrag verfasst hätten, "zeigt, dass auch sie sich gerne an uns reiben", schrieb "taz"-Chefredakteurin Bascha Mika in ihrem Editorial.

Für die "taz" hat sich das Engagement ihrer "Lieblingsfeinde" gelohnt. Die von einer Gastredaktion um "Bild"-Chefredakteur Kai Diekmann gestaltete Samstagsausgabe sei in der eigens erhöhten Auflage von 100.000 Exemplaren in weiten Teilen Deutschlands ausverkauft gewesen, berichtet die "taz". Im Internet werde die Ausgabe bereits als Sammlerstück gehandelt. Die "taz" hat durchschnittlich eine Auflage von 61.000 Exemplaren. (APA/AP)

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"taz"

  • Sein erstes "taz"-Interview: Helmut Kohl.
    foto: derstandard.at/sb

    Sein erstes "taz"-Interview: Helmut Kohl.

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