"Ich hätte IBM nicht verklagt"

8. Oktober 2003, 19:05
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SCO-Firmengründer Ransom Love wendet sich gegen sein Ex-Unternehmen und bietet interessante Einblicke in die Caldera/SCO-Geschichte

In einem Interview mit eweek hat sich Caldera-Gründer Ransom Love gegen die Klage der mittlerweile in SCO umbenannten Firma gegen IBM ausgesprochen. Diese würde sowohl Linux im Allgemeinen als auch SCO selbst schaden, es könne bei einem solchen Prozess – außer den AnwältInnen - keine Gewinner geben. Dabei vergleicht Love den Prozess mit einem Feuer, dass außer Kontrolle gerät, was ein reiner Vertragsstreit zwischen SCO und IBM werden hätte sollen, hat sich nun zu einer industrieweiten Schlammschlacht ausgeweitet.

Kritik

Love betont, dass er diesen Weg nicht gegangen wäre, Firmen sollten über ihr eigenes Geschäft und nicht über Gerichtsverfahren wachsen. Sein Weg sei einer der Koexistenz zwischen Unix und Linux, bei der beide für Applikationsentwickler weitgehend ident aussehen. Entsprechend hatte zu seiner Zeit – Love trat Mitte 2001 als Firmenchef zurück – das Unternehmen auch seine Kräfte in die Entwicklung der Linux Kernel Personalities, die SCO Unix Linux-Kompatibilität verschaffen hätte sollen. Man wollte so gemeinsame Programmierschnittstellen für Unix und Linux schaffen, ohne den Code der beiden Produkte selbst zu vermischen.

Freie Software

Ursprünglich wollte Caldera sogar den Unix-Code unter die GPL stellen, um so eine Integration in Linux zu ermöglichen, dies sei aber an der schwierigen Rechtelage gescheitert. So hätten sich einige große Firmen , die ebenfalls Anspruch auf Unix-Code-Teile haben – allen voran Intel – gegen einen solchen Schritt gestellt.

Ursachen

Den wahren Hintergrund der Animositäten zwischen IBM und SCO sieht er im Scheitern des gemeinsamen "Project Monterey". In diesem hätte ein Unix entwickelt werden sollen, dass sowohl auf IA-32, IA-64 als auch IBMs Power 4-Plattform laufen hätte sollen. Als IBM das Projekt unerwartet zu den Akten gelegt hat, hätte dies ein ernsthaftes wirtschaftliches Problem für SCO dargestellt.

GPL

Auch SCOs Attacken gegen die GPL hält Love für falsch, zwar sei sie nicht gerade die erste Wahl wenn es um kommerzielle Projekte geht, für einen offenen Standard sei sie aber die erste Wahl. Außerdem würde er an Stelle von SCO nicht versuchen die GPL vor Gericht zu testen, gerade wenn man betrachte, dass die Firma diese selbst jahrelang eingesetzt habe. (apo)

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    Caldera/SCO-Gründer Ransom Love

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