ÖVP verfehlt 50-Prozent-Marke

9. Dezember 2003, 18:23
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Absolute Mandatsmehrheit wird aber erreicht - Rekordergebnis für Grüne - Starke Gewinne für SPÖ - FPÖ nur noch Vierter - Wahlbeteiligung extrem niedrig

Innsbruck - Die Tiroler Volkspartei hat bei der Landtagswahl am Sonntag bei den Stimmen die absolute Mehrheit verfehlt. Nach dem vorläufigen Endergebnis erreichte sie 49,9 Prozent (plus 2,67 Prozentpunkte). Durch die Wahlarithmetik kommt die ÖVP bei den Mandaten aber nach 1999 wieder auf die "Absolute". Sie gewann zwei Sitze und stellt 20 der 36 Abgeordneten. Die Wahlbeteiligung sank beim ersten Urnengang ohne Wahlpflicht auf 60,34 Prozent (minus 19,57 Prozentpunkte).

Für Grüne und SPÖ gab es zum Teil deutliche Gewinne. Die Grünen gewannen drei Sitze und stellen für die nächsten fünf Jahre fünf der 36 Mandate. Mit 15,45 Prozent (plus 7,49 Prozentpunkten) überholten sie die FPÖ, die nur noch 7,99 Prozent (minus 11,68 Prozentpunkte) oder zwei Sitze (1999: sieben) erreichte. Die SPÖ schaffte 25,9 Prozent (plus 4,14 Prozentpunkte) und neun Mandate (plus eins).

Rote Hochburgen

Die SPÖ konnte vor allem in bestehenden Hochburgen ihren Anteil ausbauen. In der Bezirksstadt Reutte überholte sie sogar die ÖVP und kam auf Platz eins noch vor der ÖVP. Die Grünen legten in Innsbruck und Umlandgemeinden deutlich zu. In der Landeshauptstadt kamen sie etwa auf 26,92 Prozent. Für die Freiheitlichen war auch in traditionell dominierten Gemeinden bei dieser Wahl wenig zu holen. In Kitzbühel oder Rattenberg mussten sie zweistellige Verluste hinnehmen.

Landeshauptmann Herwig van Staa will trotz der absoluten VP-Mandatsmehrheit Gespräche mit den übrigen Parteien zur Bildung einer neuen Landesregierung führen. Dass die Zugewinne nicht deutlicher gewesen seien, darüber sei er nicht enttäuscht. Immerhin sei es gelungen, die absolute Mehrheit im Landtag zurückzuerobern. Er habe nie eine VP-Alleinregierung angekündigt. Beide Koalitionsparteien - ÖVP und SPÖ - hätten bei der Wahl dazu gewonnen und "ein hervorragendes Ergebnis erzielt".

Für SPÖ-Chef, LHstv. Hannes Gschwentner haben nicht nur bundespolitische Themen im Tiroler Wahlkampf eine Rolle gespielt. Die SPÖ habe bessere Zukunftsperspektiven bieten können, für Tirol aber auch für Österreich. Für Koalitionsgespräche mit der ÖVP sei er bereit. Bereits vor der Wahl hatte Gschwentner ein Abgehen vom derzeit bestehenden Einstimmigkeitsprinzip in der Landesregierung, wie dies Van Staa gefordert hatte, abgelehnt.

FP-Chef Willi Tilg denkt trotz der starken Verluste seiner Partei nicht an persönliche Konsequenzen. Nach den monatelangen Streitereien sei mit dem Abschneiden seiner Partei nun die Basis für den weiteren Wiederaufbau geschaffen, meinte Tilg. Die Fragen nach personellen Konsequenzen in der FPÖ sollten vorbei sein, verlangte Tilg.

Die Grünen zeigten sich trotz der VP-Mandatsabsoluten zufrieden. Sie hätten es verstanden, sich als Gegenpol zu Landeshauptmann Van Staa darzustellen, sagte Spitzenkandidat Georg Willi. Die absolute Mehrheit der ÖVP sei bei weitem nicht so ausgefallen, wie sie vorausgesagt worden sei. Den Grünen werde die Kontrolle des Landeshauptmannes zugetraut, meinte Willi. (APA)

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    Herwig van Staa lässt sich feiern

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