Erste europäische Mond-Mission SMART-1 erfolgreich gestartet

5. Oktober 2003, 10:35
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Sonde soll Mond in etwa 16 Monaten erreichen - Hauptaufgabe ist Teest eine neuen Ionen-Antriebs

Gut vier Jahrzehnte nach der ersten Mondlandung einer sowjetischen Sonde hat Europa in der Nacht zum Sonntag seine erste eigene Mission zum Mond gestartet. Die Mondsonde SMART-1 hob gemeinsam mit zwei kommerziellen Satelliten um 01.14 Uhr (MESZ) an Bord einer Ariane-5-Rakete vom Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guyana ab. Nach Auskunft des Europäischen Weltraumkontrollzentrums (ESOC) in Darmstadt laufen alles Systeme planmäßig. Den Mond soll die Sonde nach etwa 16 Monaten Reise Anfang 2005 erreichen und dann rund ein Jahr schwebend Daten sammeln.

Ziel

Hauptaufgabe der Mission ist der Test eines neuen Ionen-Antriebes, der Treibstoff spart und damit längere Reisen ins All ermöglichen soll. Auf Grundlage des neuen Ionen-Antriebs sollen selbst Reisen in den Kuipert-Kometengürtel hinter dem Pluto möglich werden. Ursprünglich war der Start für den 28. August vorgesehen. Er wurde zwei Mal verschoben, weil die indische Raumagentur letzte Tests an ihrem Satelliten vornehmen wollte.

Antrieb

Erstmals setzen die Europäer einen "Ionen-Motor" ein, bei dem die Sonnensegel von SMART-1 mit 14 Metern Spannweite Lichtstrahlen einfangen und daraus immerhin 1,9 Kilowatt Strom erzeugen. Drei Viertel davon fließen in den Antrieb - sie bauen einen Strahl aus geladenen Teilchen (Ionen) auf. Die Schubkraft dieses Ionenantriebs ist zwar relativ gering, arbeitet dafür aber über Jahre und damit wesentlich länger und für weitere Distanzen als konventionelle chemische Raketenantriebe. Mit diesem Antrieb soll die Sonde auf einer langen spiralförmigen Flugbahn zum bis zu 400.000 Kilometer entfernten Mond fliegen.

Zentral

Eineinhalb Tage nach dem Start kommt einer der spannendsten Augenblicke: die erste Zündung des Ionentriebwerks. Dies nimmt eine Schlüsselposition bei der Aktivierung aller Bordsysteme ein, denn ein Fehlschlag würde das Ende der Mission bedeuten. SMART-1 könnte dann den Mond niemals erreichen. Fällt die Analyse der Daten von der ersten Zündung positiv aus, kann der Antrieb in den Dauerbetrieb geschaltet werden. Es folgt eine zwölfmonatige Annäherung an den Mond.

Programm

Der Name "SMART" steht für ein neues Konzept, in dem die Europäische Weltraumbehörde (ESA) eine Reihe kleiner Missionen für fortschrittliche Technologieforschung ("Small Missions für Advanced Research in Technology") starten will. "Die Erkenntnisse des Fluges werden den Bau künftiger Satelliten und Sonden entscheidend beeinflussen", sagte ESOC-Leiter Jean-Francois Kaufeler. "SMART" sei mit einer Entwicklungszeit von vier Jahren viel schneller und mit einem Gesamtpreis von 110 Millionen Euro nur ein Fünftel so teuer wie vergleichbare frühere Projekte.

Klein

Ein großer Preisvorteil bestehe in der geringen Größe der Sonde. Sie besteht aus einem 1 Kubikmeter großen Quader und zwei Sonnensegeln mit einer Spannweite von 14 Metern. Alle sieben wissenschaftlichen Instrumente an Bord - von der Kamera bis zum Infrarotspektrometer - sind extrem verkleinert worden. "Das ist so, wie wenn Sie von einem alten Computer auf ein leistungsstarkes Laptop umsteigen", erläuterte Gerhard Schwehm, Leiter der Planetaren Missionen der ESA.

Im Dezember 2004 soll "SMART" in eine Umlaufbahn um den Mond einbiegen und in den tiefen Kratern nach Eis fahnden. Außerdem versprechen sich die Wissenschaftler weitere Erkenntnisse darüber, wie der Erdtrabant entstanden ist. Nicht zuletzt könnte die Sonde Informationen über einen geeigneten Standort für eine Mondstation liefern. Über die nächste SMART-Mission soll in den kommenden Monaten entschieden werden. Sie wird nach Auskunft von Schwehm frühestens 2005 starten. Die Reise zum Merkur wird nicht vor 2012 erwartet. (APA)

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