Dichand will zurückschießen

18. Oktober 2003, 10:05
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"David" gegen den "Goliath WAZ" will von Aktivitäten des Sohnes nichts gewusst haben

Hans Dichand will von den Aussagen seines Sohns Michael über die angeblichen Mafia-Verbindungen der WAZ-Gruppe am Balkan "nichts gewusst" haben. Dies betont er laut Vorab-Meldung in einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin "Spiegel". "Ich sehe mich im Kampf gegen den Goliath WAZ als David", so der Zeitungschef. Dichand und WAZ halten je 50 Prozent an der Zeitung, die WAZ will vor Gericht Dichands Abberufung als Geschäftsführer erreichen.

Bei der WAZ ist man überzeugt, dass Dichand von den Vorhaben seines Sohnes in Sachen Mafiavorwürfe unterrichtet war, habe er doch mehrmals angekündigt, es werde "noch etwas kommen". Als Geschäftsführer wäre es Dichands Pflicht gewesen, diese nach Ansicht der WAZ verleumderischen Aussagen zu verhindern, meint man in Deutschland.

"Wir werden zurückschießen"

Dazu Dichand im "Spiegel": "Ich sage auch jetzt, da kommt noch was, aber von mir. Wir werden zurückschießen." Dies bekräftigt er an einer späteren Stelle des Interviews zur "unverschämten Abberufungsdrohung" der WAZ: "Ich kann da nur sagen: Viel Spaß. Wir schießen in Kürze mit Breitseite zurück." Die WAZ forderte auch eine Distanzierung des Vaters von den Aussagen des Sohnes. "Wir müssen jetzt erst einmal Michaels Unterlagen prüfen", kommentiert Dichand dies.

Auch den Vorwurf, Dichands anderer Sohn Christoph, Chefredakteur der "Krone", missbrauche die Zeitung, um Unternehmen, an denen er beteiligt ist, zu promoten, weist Dichand als einen "Witz" zurück.

"Quatsch"

"Wirklich Quatsch" sind für Dichand Behauptungen, dass die "Krone" unter seiner Führung in jüngster Zeit wirtschaftlich gelitten habe. "In diesem Jahr machen wir mehr als 30 Millionen Euro Gewinn. Gut, es gab auch schon Zeiten, da hatten wir knapp 60 Millionen. Aber die Auflage ist besonders in Wien stabil geblieben."

Für seine Familie sei der Streit mit der WAZ "eine Existenzfrage", so Dichand weiter. Aber er habe auch nicht vor, "als ältester Herausgeber ins Guinness-Buch der Rekorde zu kommen". Launiger Nachsatz: "Vielleicht schreibe ich auch noch das WAZ-Enthüllungsbuch: 'Der Krieg um die Krone'."

WAZ-Listen

Bei der WAZ hat man gleich zwei Papiere erstellt, in denen "Pflichtverletzungen von Hans Dichand" als Hauptgeschäftsführer der "Kronen Zeitung" aufgeführt werden. Neben "öffentlich bekannten Pflichtverletzungen" wurden in den der APA vorliegenden Papieren auch "öffentlich nicht bekannte Pflichtverletzungen" gesammelt.

"Wahrheitswidrige Behauptungen"

Als "öffentlich bekannt" gelten unter anderem die Vorwürfe, dass im Zuge der Berichterstattung über den Konflikt mit der WAZ im Jänner des Jahres in der "Krone" einseitig berichtet worden sei und dass Hans Dichand bei einer Mitarbeiterversammlung am 25. Jänner 2003 wahrheitswidrige Behauptungen angestellt habe.

Außerdem habe er einen Leserbrief verändert, so dass eine "Herabsetzung von Dr. Erich Schumann (WAZ-Geschäftsführer, Anm.)" herausgekommen sei, heißt es in dem Papier. Dabei hätte er auf Grund des Rahmenvertrags mit der WAZ "dafür sorgen müssen", dass dieser Leserbrief überhaupt nicht erscheint.

Umfangreich auch die "Liste der öffentlich nicht bekannten Pflichtverletzungen von Hans Dichand". Ein gravierender Vorwurf: Dichand habe im April 2003 erklärt, dass er sich an die im Jänner erzielte Einigung mit der WAZ nicht mehr gebunden fühle. Diese Einigung sah insbesondere vor, dass Hans Dichand die Personalhoheit hinsichtlich der journalistischen Mitarbeiter abgibt. Im Mai des Jahres habe er aber auch Michael Kuhn, dem geschäftsführenden Chefredakteur, mitgeteilt, dass er die Personalhoheit wieder übernehme, schreibt die WAZ.

"Trotz des ausdrücklichen Widerspruchs" der WAZ-Gruppe und obwohl dafür ein Gesellschafterbeschluss nötig sei, habe Hans Dichand außerdem Wolfgang Altermann zum "Krone"-Geschäftsführer bestellt, heißt es in dem Papier weiter. Seit Juni 2002 habe Altermann, zugleich Mediaprint-Geschäftsführer, sodann "trotz Fehlen eines wirksamen Vertrages" Bezüge erhalten. Dies, obwohl seine Tätigkeiten nicht über jene hinausgingen, die von ihm bis zum Oktober 2001 "ohne gesonderte Honorierung neben seiner Tätigkeit als Geschäftsführer der Mediaprint" geleistet worden waren, so die WAZ. Die Mediaprint ist eine gemeinsame Tochter von "Krone" und "Kurier", an dem die WAZ ebenfalls beteiligt ist. Weiterer Vorwurf der WAZ: Altermann sei seit Oktober 2001 "in Wahrheit vor allem für Hans Dichand selbst - und nicht für die Gesellschaft - tätig", Dichand habe also Gesellschaftsmittel für "private Zwecke" verwendet.

Spielgemeinschaft "angepriesen"

Weiters moniert die WAZ einen Artikel in der Beilage "Glücks-Krone" vom 9. April 2003, in dem eine Lotto-Spielgemeinschaft präsentiert wurde. Vorwurf der WAZ: Christoph Dichand habe dem zuständigen Journalisten einen Text zur Veröffentlichung gegeben, der Artikel sei über diesen Text dann sogar noch hinausgegangen, indem er die Spielgemeinschaft "angepriesen" habe. Christoph Dichand habe sich daraufhin dafür bedankt.

Pikantes Detail: Dichand jr. ist laut WAZ an dem Spielgemeinschafts-Unternehmen zu 17,5 Prozent beteiligt, seine Ehefrau halte ebenfalls 17,5 Prozent. Hans Dichand habe zuerst über seinen Rechtsvertreter festgestellt, dass es keine Aufforderung seines Sohnes gegeben habe, dies später bei einer Gesellschafterversammlung aber doch eingeräumt, heißt es in dem Papier. Für die WAZ "eine - neuerliche - grobe Verletzung der Pflichten", die Dichand senior als Geschäftsführer wahrnehmen müsse. Dichand selbst hatte die Vorwürfe der WAZ gegen ihn und seine Familie bzw. Mitarbeiter in seinem Umfeld in den vergangenen Wochen stets zurückgewiesen und seinerseits die Vorgehensweise der WAZ scharf kritisiert. (APA)

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