Demonstrationen in Europas Hauptstädten

28. September 2003, 18:22
6 Postings

Proteste gegen Besatzungspolitik im Irak - Zehntausende Menschen gehen auf die Straße

London/Paris/Wien - In mehreren europäischen Metropolen, darunter auch in Wien, haben am Samstag zehntausende Menschen gegen die Besatzungspolitik im Irak protestiert. In London zogen nach Angaben der Organisatoren rund 100.000 Menschen vom Hyde Park zum Trafalgar Square. Laut Polizei waren es dagegen nur rund 10.000. Die Demonstranten trugen Schilder, auf denen ein Ende der Kampfhandlungen und der Rücktritt von Premier Tony Blair gefordert wurde.

In Anspielung auf die Affäre um ein Regierungsdossier zum Irak, das die Gefahr von Massenvernichtungswaffen aufgebauscht haben soll, hieß es auf anderen Plakaten "No more lies" (Keine Lügen mehr) und in einem Wortmix aus Blair und dem englischen Wort "liar" (Lügner) "B.liar". Bei der Abschlusskundgebung kritisierten unter anderen Londons Bürgermeister Ken Livingstone und Regisseur Ken Loach die Irak-Politik der Regierungen in London und Washington.

"Besatzer raus"

Auch in Paris gingen mehrere tausend Menschen auf die Straße, um gegen die Besetzung des Iraks und für Frieden in Nahost zu demonstrieren.

In Istanbul versammelten sich rund 3000 Demonstranten, um gegen die US-Militärpräsenz im Irak zu protestieren. Zugleich gaben sie ihre Unterstützung für die Intifada am Vorabend des dritten Jahrestags des Palästinenseraufstands kund, wie die türkische Nachrichtenagentur Anadolu Ajansi meldete. In der Hauptstadt Ankara folgten dem Aufruf dagegen nur einige Dutzend Menschen. Mehr als 3500 türkische Polizisten waren im Einsatz. Der Protest richtete sich auch gegen ein mögliches militärisches Engagement der Türkei im Irak. Noch hat die türkische Regierung nicht entschieden, ob sie Soldaten als Teil einer Stabilisierungstruppe im Nachbarland schicken wird.

Proteste gab es auch in Berlin und Brüssel. Etwa 3.000 Kriegsgegner demonstrierten vor der US-Botschaft in Athen. Sie warfen Flaschen auf die Polizei und riefen "Besatzer raus" und "Freiheit für Palästina". Unter starkem Polizeiaufgebot marschierten sie mit Trommeln und Plakaten weiter zur israelischen Botschaft, wo palästinensische Jugendliche die israelische Flagge verbrannten. "Ich bin geehrt von der Freundschaft, die zwischen unseren beiden Völkern besteht", hieß es in einem Brief des palästinensischen Präsidenten Yasser Arafat, der während der Kundgebung verlesen wurde.

Große Themen

Berichte über Verletzte oder Festnahmen gab es nicht. Weitere Demonstrationen fanden in Saloniki und vor dem amerikanischen Marinestützpunkt auf der Insel Kreta statt. Der Sänger Giorgos Dalaras sagte, den Menschen gehe es um große Themen. In kleinen Ländern wie Griechenland könne man dem Leiden anderer nicht gleichgültig gegenüberstehen.

In Wien demonstrieren zwischen 750 und 1000 Menschen "gegen die Besatzung des Irak und für ein Ende der Aggression der israelischen Regierung gegen das palästinenische Volk" . Bei der Abschlusskundgebung auf dem Stephansplatz sprachen unter anderen der SPÖ-Europaabgeordnete Hannes Swoboda, die Grüne Gemeinderätin Susanne Jerusalem und KPÖ-Vorsitzender Walter Baier. (APA/AP)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Massenkundgebung in London

Share if you care.