Italiens Gesundheitsministerium: Cannabis keine weiche Droge

6. Oktober 2003, 10:42
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Sei für Schizophrenie, Depression und Angstzustände verantwortlich - Rom plant strenges Suchtgiftgesetz

Rom - Cannabis ist keine weiche Droge. Dies behauptet eine Studie von Italiens Oberem Gesundheitsrat, der vor den "gravierenden Nebeneffekten" warnt. Cannabis könne keineswegs als "weiche Droge" eingestuft werden, weil der Konsum zu Abhängigkeit führe und eine Etappe etwa zu Kokain und Opium sei. Das Suchtmittel sei für psychiatrische Probleme wie Schizophrenie, Depression und Angstzustände verantwortlich. Die Droge führe auch zu Bronchitis und Lungenemphysem, hieß in der Studie.

"Zu oft wird der Begriff propagiert, dass Cannabis keine gesundheitsgefährdende Effekte hat. Dies ist absolut falsch", betonte Gesundheitsminister Girolamo Sirchia. "Der Unterschied zwischen weichen und harten Drogen hat eine kulturelle Relevanz. Niemand darf aber die Effekte der so genannten weichen Drogen unterschätzen. Studien beweisen, dass Jugendliche, die Cannabis rauchen, später unter psychotischen und depressiven Zuständen leiden", betonte der Verfasser der Studie, Silvio Garattini.

Neues Anti-Drogen-Gesetz in Italien

Die Resultate der Untersuchung drohen in Italien die Diskussion um das neue Anti-Drogen-Gesetz anzufachen, das die Regierung Berlusconi demnächst verabschieden will. Damit soll nicht nur der Handel, sondern vor allem der persönliche Konsum aktiv bekämpft werden. Personen, die im Besitz einer minimalen Menge Suchtgift ertappt werden, drohen Geldstrafen, der Führerschein- oder Passentzug. Wer eine größere Menge bei sich hat, landet im Gefängnis. Hier drohen Strafen zwischen sechs und 20 Jahren Haft.

Referendum angedroht

Die Gesetzesvorlage löste bereits heftige Reaktionen aus. Die Radikale Partei, die sich seit Jahrzehnten für die Liberalisierung weicher Drogen einsetzt, drohte mit einem Referendum, sollte das Gesetz im Parlament verabschiedet werden. "Die Regierung verfolgt Haschisch konsumierende Jugendliche, setzt sich aber nicht für die Zerschlagung der internationalen Verbindungen ein, die mit dem Drogenhandel Millionengeschäfte machen", sagte die Ex-Sozialministerin Livia Turco. Der repressive Kurs habe bisher weltweit keine Resultate gezeigt. (APA)

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