Vorruhestand für Lehrer sorgt weiter für Aufregung

30. September 2003, 18:07
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SP-Niederwieser zeigt Verständnis - FP-Rossmann: "Katastrophe"

Wien - Der durch die Pensionsreform ausgelöst Run der Lehrer in den Vorruhestand sorgt politisch für einige Diskussionen. SP-Bildungssprecher Erwin Niederwieser versteht jeden Pädagogen, der die gesetzliche Möglichkeiten der Frühpensionierung noch nützt, "um nicht weitere Jahre zu arbeiten und sich vom Dienstgeber beschimpfen zu lassen". Für die freiheitliche Bildungssprecherin Mares Rossmann bedeutet die Ausnahmeregelung für die Lehrer aus bildungspolitischer Sicht eine "Katastrophe".

Das magische Datum bei der Vorruhestands-Regelung ist der 1. Dezember. Mit diesem Tag haben viele Lehrer der Geburtsjahrgänge bis 1948 nämlich letztmals die Gelegenheit, zu vergleichsweise günstigen Bedingungen in den Vorruhestand zu wechseln. Durch die Sonderregelung können die Pädagogen bereits fünf Jahre vor anderen Beamten in den Ruhestand treten, müssen pro Jahr aber einen lebenslangen Abschlag von fünf Prozent bei der Pension in Kauf nehmen. Ab 1. Jänner steigt das Antrittsalter schrittweise - wer also jetzt nicht geht, kann dies daher erst wesentlich später. Besonders angenehm haben es die Pflichtschullehrer, die die Zeit bis zum Dezember mit Sonderurlaub überbrücken können.

Deutlicher Bedarf an Lehrkräften

Einerseits habe sich in der jüngsten Diskussion um die Nachmittagsbetreuung von Kindern und Jugendlichen an den Schulen ein deutlicher Bedarf an Lehrkräften herausgestellt, und andererseits lasse man die Lehrer jetzt in Frühpension gehen, zeigt sich Rossmann verärgert. Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (V) sei aufgefordert, diesem Lehrernotstand entgegenzuwirken. Denn die damit auf den Schulbetrieb ausgeübte Belastung dürfe nicht auf dem Rücken von Schülern, Eltern und den nicht in den Genuss kommenden Lehrern ausgetragen werden.

Niederwieser verwies darauf, dass jeder Lehrer, der länger als nötig bleibe, im neuen Pensionsrecht größere Verluste zu befürchten habe als derzeit. Diese Verluste erreichen bei einer Pensionserwartung von 20 Jahren - dann ist die Person "junge" 75 Jahre - eine Größenordnung von über 100.000 Euro. So sei die derzeitige Entwicklung auch keine große Überraschung: "Schon bei der Diskussion der Pensionsreform im Parlament haben wir auf diese unterschiedliche Behandlung von ASVG Versicherten und öffentlich Bediensteten hingewiesen", betonte der SPÖ-Bildungssprecher.

Niederwiesers besondere Kritik richtet sich aber gegen den Zeitpunkt der Aktion: Wenn man eine solche Maßnahme schon durchführe, hätte in erster Linie auf die Kinder Rücksicht genommen werden müssen. Dann wäre es auf die zwei Monate auch nicht mehr angekommen und in Kombination mit einem Sonderurlaub hätten die Junglehrer bereits im September mit ihrer Arbeit beginnen können und die Schüler hätten nicht einen Lehrerwechsel mitten im 1. Semester. (APA)

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