Microsoft verliert Patentverfahren

5. Oktober 2003, 10:18
10 Postings

Konzern wurde zu 500 Millionen Dollar Schadenersatz verurteilt, aber die Konkurrenz findet das diesmal nicht witzig

Die Geschichte ist nicht frei von Ironie: Microsoft, selbst vehementer Vorkämpfer des Schutzes geistigen Eigentums und Inhaber eines stattlichen Portfolios an Patenten, hat einen Patentprozess gegen ein Einmannunternehmen verloren (Der Webstandard berichtete). Die Niederlage, wenn sie vom Berufungsgericht nicht annulliert wird, würde Microsoft nicht nur eine halbe Milliarde Dollar kosten – es könnte das Ende des Internet Explorer und anderer Webbrowser bedeuten, wie wir sie heute kennen.

Plug-ins

Vor kurzem verurteilte eine Jury Microsoft zur Zahlung von 521 Mio. Dollar (454 Mio. Euro) an die Einmannfirma Eolas des Erfinders Michael Doyle. Das Gericht befand, dass der Internet Explorer – für 90 Prozent der Welt die Auffahrtsrampe zum Web – durch seine Plug-in-Technik Eolas Patent Nr. 5,838.906 aus dem Jahr 1994 verletzt. Plug-ins ermöglichen, dass innerhalb des Browsers andere Programme aktiv werden, wie der Flash-Player von Macromedia zur Darstellung bewegter Bilder, Java-Applikationen, oder Dokumente im Acrobat-(pdf)-Format. Microsoft argumentiert, dass es dafür seine eigene Technologie, ActiveX, verwendet, konnte jedoch die Jury nicht überzeugen.

Berufungsverfahren

Zwar läuft ein Berufungsverfahren, aber bis zum Urteil der Instanz dauert es rund 18 Monate. Bis dahin muss Microsoft entweder seinen Explorer ändern oder pro ausgeliefertem Exemplar 1,47 US-Dollar bezahlen. Jährlich verkauft Microsoft über 100 Mio. Exemplare von Windows einschließlich Explorer.

Hilfe von der Konkurrenz

Nach Jahren eines Antikartellverfahrens, in dem Microsoft seine Konkurrenten fast geschlossen gegen sich sah, findet sich der Softwarekonzern plötzlich in einer ungewohnten Rolle: Andere Branchengrößen wie Sun, IBM und auch das gemeinnützige World-Wide-Web-Konsortium eilen zu Hilfe. Denn geht das Urteil durch, haben die Lieferanten der Plug-in-Programme viel zu verlieren. Und das Web-Konsortium, das lizenzpflichtige Software bei Browsern ablehnt, ist vor allem an einem interessiert: einen lizenzfreien, offenen Standard, auf den sich Entwickler verlassen können. (Der Standard Printausgabe 27/28.9.03, Helmut Spudich)

Share if you care.