Rechnungshofbericht belastet FC Kärnten

2. Oktober 2003, 10:34
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SPÖ "größtem Sportskandal in der Geschichte des Landes" auf der Spur - Manager Hafner glaubt an "Schmutzkübelkampagne"

Klagenfurt - In Kärnten hat der Rohbericht des Landesrechnungshofs (LRH) über die Förderungen des FC Kärnten, des Bundesnachwuchszentrums (BNZ) und der Jugendsportakademie (JSA) für einen Wirbel gesorgt. Die SPÖ vermutet dahinter den "größten Skandal in der Geschichte des Kärntner Sports". Der Fußball-Bundesliga-Klub FC Kärnten hat die Vorwürfe zurückgewiesen und mit Klagen gedroht.

Millionen-Förderungen ohne Verwendungs-Nachweis

Die SPÖ hatte im Vorjahr im Landtag die Prüfung beantragt. Es seien Millionen-Förderungen ohne Nachweis einer widmungsgemäßen Verwendung geflossen, der Ankauf eines Lichtschrankens sei gleich zwei Mal um je 2.230 Euro mit derselben Rechnungskopie verrechnet worden, und Konten, die nicht in der Bilanz des Fußballvereines aufscheinen, seien gefunden worden, zitiert jetzt die "Kärntner Tageszeitung" (Samstag-Ausgabe) aus dem LRH-Bericht. Der LRH habe mitunter festgestellt, dass die im Förderungsantrag des BNZ angegebene Bankverbindung ein in der Bilanz des FCK aufscheinendes Bankkonto ist. Die dem BNZ gewidmete Sonderförderung habe jedoch im Verrechnungskreis (Juli 2000 bis Juni 2001) keinen Eingang gefunden. Der Rechnungshof habe die korrekte Verrechnung "nur zum Teil nachvollziehen" können, heißt es.

"Geisterkonten, eklatante Missstände bei Subventionsvergaben, fehlende Belege, klassische Doppelverrechnung"

"Das liest sich wie ein Kriminalroman und ist vermutlich die Story des größte Sportskandal in der Geschichte des Landes Kärnten", stellte SPÖ-LAbg. Peter Kaiser (S) fest. "Geisterkonten, eklatante Missstände bei Subventionsvergaben, fehlende Belege, klassische Doppelverrechnung, Rechnungen, bei denen vermutlich an der (Un)Leserlichkeit gearbeitet wurde, liefern den Stoff, der vermutlich bereits in Kürze die Staatsanwaltschaft beschäftigen sollte. Es scheint sich hier ein weiterer Skandal anzubahnen, der in der Referatszuständigkeit eindeutig zuzuordnen ist und von schlampig bis grob fahrlässig reicht".

Sportlandesrat Döfler in der Kritik

Es sei völlig unverständlich, dass Sportlandesrat Gerhard Döfler (F) weiter Geld ausbezahlen hat lassen, ohne dass vorher eine ordnungsgemäße Abrechnung der bisher überwiesenen Fördermittel stattgefunden hat und wohlwissendlich, dass Verpflichtungserklärungen, die von den Förderempfängern unterzeichnet worden waren nicht erfüllt worden sind. Obwohl Dörfler von der SPÖ bereits seit 12. Juli 2001 im Landtag ständig darauf aufmerksam gemacht worden sei, habe der Landessportreferent nicht gehandelt.

Dörfler uneinsichtig

"Ich habe mir nichts vorzuwerfen", erklärte Dörfler auf APA-Anfrage. "Alle Förderungen an den FCK sind ordnungsgemäß abgerechnet worden." Was die Jugendsport-Akademie (JSA) betrifft, stellte er fest: "Vom damaligen Vorsitzenden Valentin Barac, welcher zu dieser Zeit auch Präsident des Kärntner Radsportverbandes war, sind Gelder zweckentfremdet dem Radsport zugeführt worden. Dafür kann aber nicht ich haftbar gemacht werden."

Manager Hafner: "Schmutzkübelkampagne"

"Der Bericht ist eine Sauerei, daher wird geklagt", erklärte Manager Günter Hafner gegenüber der APA. "Da wurden ganz offensichtlich Äpfel mit Birnen verwechselt." Hafner verwies auf die Vorbesprechung mit den Prüfern des Landesrechnungshofes: "Da ist alles in Ordnung gewesen." Die Schlussbesprechung allerdings stehe noch aus. In einer Aussendung des Vereins ist von einer "Schmutzkübelkampagne" die Rede, mit der der Wahlkampf für die Landtagswahl im März 2004 inoffiziell eröffnet sei. Und weiter: "Beim FC Kärnten gibt es weder Schwarz- noch Geisterkonten, die Belege sind vollzählig und die widmungsgemäße Verwendung der erhaltenen Subventionen wurde bis dato immer ordentlich nachgewiesen, wobei sämtliche diesbezügliche Bestätigungen durch das Sportsekretariat des Landes Kärnten beim FCK vorliegen."

Landeshauptmann und FC Kärnten-Präsident Jörg Haider (F) nahm am Sonntag bei einer FPÖ-Konferenz ganz kurz Stellung: "Da wird etwas von der SPÖ schlecht gemacht. Da will ich die Roten Genossen aber nicht mehr am Fußballplatz sehen." (APA)

  • Präsident Haider, Spieler Maric (Mitte/re) und FC Kärnten-Mitarbeiter.
    foto:fck

    Präsident Haider, Spieler Maric (Mitte/re) und FC Kärnten-Mitarbeiter.

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