Lafontaine und Grasser geraten aneinander

29. September 2003, 15:41
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Finanzminister attackiert seinen deutschen Ex-Kollegen beim "Klagenfurter Stadtgespräch"

Klagenfurt - Einen heftigen Schlagabtausch lieferten einander Finanzminister Karl Heinz Grasser und sein ehemaliger deutscher Amtskollege Oskar Lafontaine Freitag Abend zum Thema "Markt-Staat-Freiheit". Übereinstimmung zwischen den beiden gab es lediglich in der Frage, dass die Macht global agierender Firmen eingeschränkt werden müsse. In Finanz- und Wirtschaftsfragen lagen die Diskutanten diametral auseinander.

Lafontaine und Grasser waren von der Popper-Foundation zum "8. Klagenfurter Stadtgespräch" an die Universität eingeladen worden. Lafontaine ging in seinem Eröffnungsstatement auf den "grassierenden Marktradikalismus" ein, der die Freiheit der Menschen beeinträchtige, sie oft sogar verunmögliche. Er forderte eine stärkere Einflussnahme des Staates und berief sich in seinem wirtschaftspolitischem Konzept auf John Maynard Keynes. Lafontaine übte scharfe Kritik an der "Angst der Politiker" vor den internationalen Finanzmärkten.

Das Publikum im vollen Hörsaal spendete kräftigen Applaus, Grasser reagierte darauf sofort und begann seinen Vortrag mit den Worten: "Sie haben inhaltlich viel zu viel Applaus bekommen". Grasser fügte noch hinzu, das Publikum könne froh sein, dass Lafontaine nicht amtierender Finanzminister sei, sonst würde er bei der derzeitigen finanziellen Situation in Deutschland "gleich kräftig zulangen", falls jemand Geld dabei habe.

"Globalisierung schafft Wohlstand"

Inhaltlich brach Grasser eine Lanze für die Globalisierung der Weltwirtschaft. Diese schaffe Arbeitsplätze, Wirtschaftswachstum und Wohlstand. Für diese Aussage erntete der Finanzminister aus dem Auditorium vereinzelte Pfiffe. Laut Grasser ist der Markt nichts anderes als ein Informationsmechanismus, und diese Aufgabe könne der Staat nie leisten.

Grasser konzedierte jedoch, dass es Spielregeln geben müsse, für die der Staat zu sorgen habe. Ansonsten habe sich die Politik zurückzuhalten, da der Staat nicht erfolgreich wirtschaften könne. Zum Abschluss überreichte Grasser Lafontaine ein nach seinen Worten "passendes Geschenk" anlässlich Lafontaines 60. Geburtstag. Und zwar das Buch "Der Weg zur Knechtschaft" von Friedrich August von Hayek. Den Buchtitel bezeichnete Grasser als "jenen Weg, in den Ihre Politik führen würde". (APA)

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