Sehr wienerisch. Glaub' ich wenigstens.

26. September 2003, 21:29
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Der Herr Karl ist schon lange Teil meines Lebens. Ich erinnere mich noch an das Schwarz-Weiß-Bild. Warum meine Eltern ihn so besonders schätzten, habe ich erst später verstanden, auch, warum Q. als Herr Karl so ein Dorn im Fleisch war. Vor allem immer dann, wenn sich mal wieder die schwarz-weiße Welt des Herrn Karl als tief sitzende österreichische Natur offenbart.
Marie R., 28, Landtagsabgeordnete

Gesellschaftskritischer Kabarettist (oft mürrische Charaktere), spielte auch in einigen Filmen mit, z. B. "Der Name der Rose" (Kerkermeister), hat sich zu Tode gesoffen. Isa N., 28

Papa hat uns den "G'schupften Ferdl" immer und immer wieder auf der Gitarre vorgesungen und musste es - weil Papas auch ins Büro gehen oder schlafen müssen - auch für den Kinderkassettenrekorder aufnehmen. Ich kann's noch heute auswendig, auch wenn ich erst in der Tanzschule kapiert hab', was mit ,Perfektion' eigentlich gemeint ist.
eSeL, 28, Kunstjournalist

Da ich seit zwei Jahren viel mit dem Gerhard Bronner zusammenarbeite, hab' ich natürlich von ihm viele Lieder gehört, die in der Interpretation vom Q. berühmt geworden sind, und Bronner hat oft Geschichten und Anekdoten von ihm erzählt. Von ihrem Kennenlernen in einer Sauna bis zu seinem großen Leiden, dass er gerne als großer, seriöser Schauspieler angekommen wäre und nicht als Kabarettist. Davor hab' ich nur unbewusst ein paar musikalische Zitate gekannt ("da Wüde auf seina Maschin . . .").
Agnes P., 28, Wienerlied-Sängerin

Aus dem monochrom-Glossar: "Qualtingent, n.: Maximum an Landeskritik, bevor die reaktionäre Presse mit ,Nestbeschmutzer'-Glossen kontert." Johannes G., 28, monochrom.at-Gründer, Künstler, Autor, Bastler in Wien

Als ich vor zehn Jahren nach Wien gezogen bin, hat man mir den Qualtinger-Satz mit auf den Weg gegeben: In Wien sind's dir sogar auf an Krebs neidig. Als Qualtinger starb,
war ich elf Jahre alt, und meine Erinnerung an ihn ist eine Hörkassette auf langen Familienausfahrten, unterbrochen nur von
meinen Übelkeitsattacken. Das hatte allerdings mit den Autos zu tun."
Henrike B., 27, Künstlerin
Q. ist auch noch heute der Inbegriff des "Ur-Wieners". Er verkörpert den grantigen und mieselsüchtigen Österreicher, der sein Land durch den Kakao zieht. Wahrscheinlich war er im Nachkriegsösterreich sogar ein richtiger Star. Wenn ich mir jedoch heute Fotos und Aufzeichnungen ansehe, wirkt er ein wenig unsympathisch. Im Grunde steckt in jedem Österreicher ein kleiner grantiger Q. So richtig im Gedächtnis blieb mir nur Q. als "Der Herr Karl". Brigitte B., 26, Journalistin

Qualtinger, das ist für mich der speckige Hut mit der obligatorischen Zigarre, ein korpulenter, genialer Kritiker.
Robert P., 25, Computer Vision

Das ist doch der berühmte Herr Karl, der typische Wiener Grantler. Ich kenne ein paar von seinen Sketches, die auch heute noch ziemlich aktuell sind. Ich glaube er hatte auch einen kleinen Auftritt in dem Kinofilm "Der Name der Rose". Ohne ihn wären Hader und Düringer undenkbar.
Patrick A., 24, Schauspieler

Ich wurde durch Eltern und Bekannte in Q.s Werk eingeführt. Immer wieder werden

alte Videoaufnahmen gemeinsam angeschaut und zelebriert. Eine Zeit lang begrüßte Q.s Stimme persönlich die Anrufer auf meiner Mailbox mit den Worten: "Legetemiern Se se!" Mein Bruder hat sämtliches auf Video erhältliches Material. Lena F., 26, Psychologin

"Was sagt dir der Name Q.?" "Wer soll das sein?" "Ich weiß auch nicht so genau. Ich glaube, irgendein Wiener Kabarettist oder so." "Keine Ahnung. Kenn' ich nicht." "Ich ja auch nicht wirklich. Hat aber glaub' ich irgendwas mit dem Herrn Karl zu tun. Und ist auf jeden Fall sehr wienerisch." "Wenn du meinst."
Gespräch zwischen Leonhard D., 23, und Thorsten E., 24, aus OÖ, ÖH Wien

Also spontan fällt mir dazu der Herr Karl ein. Das ist einfach bekannt. Na ja, und Q. traf zu seiner Zeit einfach den Nerv der österreichischen Seele. Und auch heute noch, auf jeden Fall. Tina H., 23, Werbegrafikerin

Sarkastisch-selbstironischer Wiener, beschäftigte sich in seinen Werken mit den dunklen Kapiteln österreichischer Geschichte. Dick. Sang der nicht mitunter auch?
Sabine W., 21, Studentin

Der gute "G'schupfte Ferdl"-Interpret. Er schrieb schon ein Stück Wiener Geschichte. Ich glaube, dass er immer noch relativ bekannt ist. Maria L., 21, Studentin

Nie gehört.
Laura B., 22, Studentin, München/Bologna
Kabarettkünstler, kenne ihn durch die Medien. James S., 21, Student in Wien

Keine Ahnung. Wer ist das? Julia, 17, Schülerin

Ist das dieser Computermensch? Kommt mir irgendwie bekannt vor. Was, der Herr Karl? Ah ja, natürlich, jetzt weiß ich!
Clemens A., 17, Schüler

Ja, der Q. war Sänger und hat Filme gemacht. Das haben wir für die Musikprüfung gelernt. Georg, 17, Schüler

Also, ich kenne Q. nicht. Hört sich im ersten Moment an wie ein Firmenname.
Christian I., 17, HTL-Schüler

Nein, ich hab keine Ahnung, wer Qualtinger ist. Für mich ist das einfach nur ein Name. Ich kann mich nicht erinnern, dass er mir vom Fernsehen bekannt wäre.
Peter F., 16, HTL-Schüler

Nie was von dem gehört.
Lisa K., 14, Schülerin []

Mitarbeit: Michael Freund, Philipp Freund,
Wolfgang Weisgram.
Aus Platzgründen konnten wir nicht alle Antworten abdrucken, unser Dank geht aber an alle, die
mitgemacht haben.


Sänger! Grantler? Herr Karl! Computerfachmann? Was Menschen unter 30 zu Helmut Qualtinger einfällt: eine Umfrage von Nina Fuchs und Thomas Rottenberg.
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