Brasilien lässt Gen-Soja wachsen

2. Oktober 2003, 10:13
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Heftige Proteste von Gegnern - Umweltministerin stellt sich gegen ihren Präsidenten

Brasilia - Die Regierung Brasiliens hat trotz zahlreicher Proteste von Politikern, Bauern, Umwelt- und Verbraucherschützern den Anbau der umstrittenen Gen-Soja freigeben. Die Legalisierung der gentechnisch veränderten Soja-Pflanze trat nach der Unterzeichnung einer so genannten "provisorischen Maßnahme" durch Vizepräsident Jose Alencar am Freitag in Brasilia sofort in Kraft. Sie gilt demzufolge bereits für die am Dienstag beginnende Anbausaison im gesamten Land.

Die betroffenen Produzenten werden den Angaben nach die Gen-Soja für den Verbraucher deutlich kennzeichnen müssen. Untersagt wird der Anbau nur in oder nahe bei Naturschutzgebieten, Indioreservaten oder Wasserschutzgebieten. Die Maßnahme annulliert in der Praxis die brasilianische Gesetzgebung über "Biosicherheit", die den Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen nur "nach eingehenden Studien über Umwelteinflüsse" zulässt.

Proteste

Die Gegner der Legalisierung hatten seit Wochenanfang mit scharfer Kritik und mit Kundgebungen vor dem Landwirtschaftsministerium protestiert. Gegen die Maßnahme hatten sich unter anderem auch Umweltministerin Marina Silva, die Umweltschutzgruppe Greenpeace und die mächtige "Bewegung der Landlosen Bauern" ausgesprochen.

Mit der Freigabe der Gen-Soja mache sich die linksgerichtete Regierung von Präsident Luiz Inacio Lula da Silva einer der "schlimmsten Aggressionen gegen die Bürgerrechte der Brasilianer" schuldig, erklärte die Verbraucherschutzgruppe Idec. Es wird auch Widerstand seitens der Justiz erwartet, die in verschiedenen Instanzen den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen mehrfach untersagt hatte.

Gen-Lobby

Beobachter meinten, die Regierung sei vor allem von Großbauern des wohlhabenden Agrarlandes Rio Grande do Sul unter Druck gesetzt worden. Dort ist die große Mehrheit der bislang illegal arbeitenden "Gentechnik-Bauern" tätig. Die transgenen Samen für den brasilianischen Schwarzmarkt stammen vermutlich aus dem benachbarten Argentinien, wo der Anbau von Gen-Pflanzen zulässig und weit verbreitet ist. (APA/dpa)

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