"Pflegepersonal ist nicht überfordert"

28. September 2003, 17:07
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Van Staa weist kritische Fragen zurück

Innsbruck - "Warum kommen BewohnerInnen, die keine Angehörigen haben, manchmal nicht öfter als fünfmal pro Jahr ins Freie?" Fragen wie diese hat der Innsbrucker Zivilrechtler und Experte für Patientenrechte, Heinz Barta, in einen offenen Brief an Landeshauptmann Herwig van Staa formuliert. Antwort hat Barta keine erhalten.

Barta thematisiert in dem Brief auch, dass die Pfleglinge teilweise um 17 Uhr "ins Bett gesteckt" würden und es auch in Tirol häufig zu nicht mehr als einer "still, satt, sauber"-Pflege reiche. Barta stellt grundsätzlich klar, dass "etwas faul an der Altenpflege" sei. Die in Lainz offenkundig gewordenen Probleme gebe es "fast überall in Österreich, wenn auch nicht ganz so dramatisch".

Wahlkampfthema

Kritik an der Altenpflege hat van Staa in den vergangenen Tagen wiederholt in Wahlkampfreden pauschal zurückgewiesen. Auf Nachfrage des STANDARD erklärt er: "95 Prozent der Betroffenen und Angehörigen sind mit der Pflege sehr zufrieden", und dies werde "von Leuten zerredet, die noch nie jemanden persönlich gepflegt haben".

Angesprochen auf die von Barta erwähnten Problemfelder spricht van Staa von "Behauptungen", man solle konkret sagen, "wo das ist". Ein von Barta und anderen Experten konstatiertes strukturelles Problem in der Altenpflege, das auch Tirol betreffe, sieht van Staa nicht und stellt fest: "Das Pflegepersonal ist nicht überfordert."

Politisch verweist van Staa darauf, dass "die SPÖ seit 1945 das Sozialressort leitet", sowie auf die von ihm initiierte Pflegeoffensive und die Umleitung von Mitteln der Wohnbauförderung beim Um- und Neubau von Altenheimen. Man müsse nur mit offenen Augen durch die Stadt gehen, um zu sehen, wie viel in den vergangenen Jahren in Innsbruck in diesem Bereich entstanden sei.

Keine Annäherung gibt es auch beim Thema ambulante Betreuung. Barta fordert dringend deren Ausbau, um "Menschen möglichst lange in ihrer gewohnten Umgebung zu belassen". Tatsächlich sei aber nach dem Innsbrucker Sozialplan "die ambulante Betreuungszeit an das unterste Limit des noch vertretbaren heruntergefahren" worden. Van Staa stellt dieser Kritik den flächendeckenden Ausbau der Sozialsprengel im ganzen Land gegenüber und spricht vom "dichtesten sozialen Netz". (hs/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 27./28.9.2003)

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Pflegeskandal
auf derStandard.at/Panorama

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