Mutmaßliches DDR-Mordkommando soll Minister getötet haben

28. September 2003, 16:38
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Der Ost-Berliner Finanzminister von 1980 war laut "Berliner Zeitung" möglicherweise ein Opfer

Berlin - Das mutmaßliche DDR-Mordkommando, dessen Existenz jüngst durch eine Verhaftung bekannt wurde, soll mindestens einen aktiven Politiker umgebracht haben. Nach Informationen der "Berliner Zeitung" (Samstagausgabe) verfolgt die deutsche Bundesanwaltschaft einen entsprechenden Verdacht. Dabei soll es sich um den früheren DDR-Finanzminister Siegfried Böhm handeln, der am 4. Mai 1980 erschossen in seinem Haus im Berliner Stadtteil Karlshorst aufgefunden worden war. Böhms Tod war in der DDR offiziell als Unglücksfall dargestellt worden.

Möglicherweise war Mord nur als Eifersuchtsdrama getarnt

Dem Bericht zufolge bezweifeln die Ermittler interne Erkenntnisse der DDR-Staatssicherheit, wonach es sich um ein Eifersuchtsdrama gehandelt habe. Laut Stasi hatte Böhm demnach seine Familie verlassen wollen und war von seiner Ehefrau erschossen worden, die sich anschließend selbst erschoss. Die Bundesanwaltschaft vermute jetzt, dass möglicherweise Mitglieder des Killerkommandos das Ehepaar erschossen und den Mord als Eifersuchtsdrama tarnten, schreibt die Zeitung. Böhm sei zum Sicherheitsrisiko geworden, nachdem er sich zuletzt kritisch über die DDR-Finanzpolitik geäußert habe.

Derzeit wird nach Informationen der Zeitung im gesamten Bundesgebiet nach Zeugen und weiteren Beweismitteln gefahndet. Vergangenen Montag war ein 53-jähriger Berliner auf Veranlassung des Generalbundesanwalts festgenommen worden, der verdächtigt wird, zwischen 1976 und 1987 als Angehöriger eines solchen Mordkommandos mehrere Personen getötet zu haben". Die Opfer hätten aus Sicht das DDR-Regimes Verrat begangen oder zu begehen gedroht. (APA/AP)

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