Auch Heimhilfe wird zum finanziellen Pflegefall

1. Oktober 2003, 15:03
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Die öffentliche Hand dreht den mobilen Pflegediensten den Geldtropf immer weiter zu - Budgets für Wohlfahrts- vereine werden verringert

Wien - Bund und Länder kürzen an den Budgets für Wohlfahrtsvereine. Dies führt nun dazu, dass jetzt nur mehr die Hälfte einer Betreuungsstunde für Alte und Kranke finanziell gefördert wird, bestätigt etwa Geschäftsführer Erich Fenninger für die Volkshilfe Österreich im Gespräch mit dem STANDARD. "Vor zehn Jahren konnten wir noch mit einem Fördersatz von 90 Prozent rechnen", skizziert er die finanzielle Kluft.

Entsprechend verstärken sich die Befürchtungen, dass die Altenpflege nicht - wie vollmundig behauptet - ausgebaut, sondern durch Budgetdeckelung beschnitten wird. Bereits im Vorjahr blieb den verschiedenen Non-profit-Organisationen allein in Niederösterreich insgesamt ein Finanzloch von 2,3 Mio. €offen. Solche Lücken, so Fenninger, könnten auf Dauer nur mit dem Abbau von Pflegepersonal und einer Aufstockung des Finanzanteils der Patienten abgedeckt werden.

Schneller pflegen

Experten befürchten nun, dass in erster Linie bei den für Betreuungstätigkeiten zugestandenen Zeitbudgets Kürzungen bevorstehen, was die Qualität der Altenpflege durch Wohlfahrtsinstitutionen nur negativ beeinflussen kann. Auch das größte Engagement der Helfer könne nicht ausgleichen, dass oft schon jetzt nur knapp 15 Minuten fürs Anziehen und für die Körperpflege eines hilfsbedürftigen Menschen reichen müssen, schildert etwa die Arbeitnehmervertreterin der Heimhelfer, Michaela Guglberger. Rudolf Kaske, Chef der Gewerkschaft Persönlicher Dienst, kann ihren Frust gut nachvollziehen.

Er hält es schlicht für einen Skandal, dass die allgemeine Finanzenge offenbar auf die Mitarbeiter überwälzt werden soll. Die sowieso nicht gerade üppig bezahlten 35.000 Helfer haben nämlich noch keine bundesweit geregelten Arbeitsnormen, sprich einen Kollektivvertrag. Den hat die Berufsvereinigung der Arbeitgeber für Gesundheits- und Sozialberufe (BAGS) "nach fünfjährigen Verhandlungen und dem endgültigen Verschnüren des Paketes im heurigen Frühjahr nämlich in der Folge wieder platzen lassen", ärgert sich Kaske.

Schlecht bezahlt

In dem Paket war es primär um ein einheitliches Berufsbild und die Festlegung eines Bruttomindestlohnes von 1308 Euro gegangen. Der nächste Anlauf zu einer Regelung soll nun am 6. Oktober unternommen werden, obwohl die Gewerkschaft bei den BAGS-Vertretern derzeit noch wenig Entgegenkommen ortet. Prognosen sprechen davon, dass bis 2010 rund 13.000 Pfleger für hilfsbedürfte Menschen gebraucht werden. (Monika Bachhofer/DERSTANDARD, Printausgabe, 27./28.9.2003)

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