Streit um Unheil- oder Heilkunde am AKH

1. Oktober 2003, 15:03
posten

Die Vorwürfe gegen die Kinderabteilung im AKH im Buch "Weggelegt" seien "völlig inakzeptabel", erklärt die Spitalsleitung

Wien - Die Vorwürfe sind hart - das Dementi nicht weniger: Am Montag wurde das umstrittene Buch "Weggelegt - Kinder ohne Medizin?" offiziell in Wien präsentiert (DER STANDARD berichtete bereits in der Wochenendausgabe). Den darin enthaltenen Vorwürfen gegen die Kinderabteilung im AKH wurde am Montag seitens der ärztlichen Leitung im Haus widersprochen. Die "Verunsicherung von Eltern schwerkranker Kinder" sei "völlig inakzeptabel und aufs schärfste zu verurteilen" heißt es in einem Schreiben des ärztlichen AKH-Direktors Reinhard Krepler und aller, die rund um die Uni-Klinik für Kinder und Jugendliche Rang und Namen haben.

So heißt es etwa im Buch, dass in den vergangenen zehn Jahren in Österreich rund 100 Kinder gestorben seien, weil sie keine Lebertransplantation erhielten. Etwa 80 hätten nicht überlebt, weil ihre Herzoperation im Osten und nicht im besser ausgerüsteten Westen durchgeführt worden sei.

Keine seriöse wissenschaftliche Aussage

Die AKH-Leitung zitiert im Gegenzug das Österreichische Bundesinstitut für Gesundheit (ÖBIG): "Der implizit angestellte Vergleich von Versorgungszentren ist methodisch absolut unhaltbar und befindet sich jenseits der Grenze einer seriösen wissenschaftlichen Aussage, zumal bei einer derartigen Interpretation gegen die methodischen Prinzipien einer Outcome-Messung massivst verstoßen wird."

Die Diskussion ist noch lange nicht zu Ende: Auch die Österreichische Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde warnt nun, dass ganz allgemein "die optimale pädiatrische Versorgung" durch "erhebliche Budgetkürzungen im Gesundheitsbereich" gefährdet sei. Die daraus folgenden Forderungen der Gesellschaft werden heute, Dienstag, in Wien präsentiert. (APA, frei, Der Standard, Printausgabe, 30.09.2003)

  • laut Autoren müssen in Österreich
Kinder leiden oder sterben, weil sie nicht so versorgt werden, wie es
dem wissenschaftlichen Standard entspricht.
    foto:epa/ghement

    laut Autoren müssen in Österreich Kinder leiden oder sterben, weil sie nicht so versorgt werden, wie es dem wissenschaftlichen Standard entspricht.

Share if you care.