Palmers setzt Filetierung fort

30. September 2003, 13:45
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Trennung von Reiter fast perfekt - Gespräche auch für Gloriette und Gerngross

Wien - Der Palmers-Konzern verhandelt nun konkret über den Verkauf von nicht zum definierten Kerngeschäft - Wäsche - zählenden Unternehmensteilen. Am weitesten gediehen sind die Verhandlungen über einen Rückkauf des 50-Prozent-Anteils von Palmers am Nobelschuh-Hersteller Ludwig Reiter durch die Familie Reiter. "Wir rechnen in den nächsten Wochen mit einem Abschluss", bestätigte Geschäftsführer Till Reiter. Gespräche "mit inländischen und ausländischen Interessenten" gibt es auch für den Hemdenerzeuger Gloriette sowie mit "Investoren" für Gerngross, verlautet aus dem Palmers-Konzern.

Reiter will die ausstehenden Anteile an der Lederfirma vollständig in Familienbesitz zurück holen. Die Hereinnahme eines anderen strategischen Partners sei nicht geplant. Einigkeit über den Kaufpreis sei bereits erzielt worden, so Reiter, die Finanzierung brauche aber "seine Zeit".

"Vergangenen zwei Jahre waren sehr schwierig"

Der Wiener Traditionsbetrieb Reiter mit einem Jahresumsatz von knapp 10 Mio. Euro und 60 Mitarbeitern betreibt eine eigene Erzeugung in Wiener Neudorf sowie 22 Geschäfte, 11 davon in Österreich, 10 in Deutschland und eines in Singapur. "Die vergangenen zwei Jahre waren für unsere Branche sehr schwierig", räumt Reiter ein. Auch im ersten Halbjahr 2003 habe es zum Teil kräftige Einbrüche gegeben. Jetzt sei eine leichte Besserung der Stimmung und der Umsätze spürbar.

Die Angebote für den Hemden-Erzeuger Gloriette werden geprüft, heißt es bei Palmers. Weitere Angaben gibt es dazu nicht.

Mit einem Verkauf der Gerngross Kaufhaus AG an einen Investor wäre auch die ursprünglich geplante "Gütertrennung" im Konzern so nicht mehr möglich, mit der der Rosenkrieg um die Ablöse des langjährigen Palmers-Chefs und -Miteigentümers Rudolf Humer beigelegt werden sollte. Humer hätte mit den Gerngross-Anteilen sowie weiteren "Zugaben" ausgekauft werden sollen. Zu Gerngross gehören der Gerngross in der Wiener Mariahilfer Straße, der zur Gänze an P&C vermietete Herzmansky, das City-Kaufhaus Steffl und 25 Prozent am Passage Kaufhaus Linz sowie das Kaufhaus Tyrol.

Derzeit versucht Humer per Klagen eine aktienrechtliche Sonderprüfung durchzusetzen, um im Zuge der Familienstreitigkeiten erhobenen Vorwürfe gegen seine Unternehmensführung zu entkräften. Palmers hat vor kurzem die Klagen beantwortet. Das Verfahren läuft.

Am 21. Oktober wird in drei außerordentlichen Hauptversammlungen der Palmers AG, der Palmers Textil AG und der "P" Beteiligungs AG von Wien (Lehargasse) die Verlegung der jeweiligen Firmensitze nach Wiener Neudorf beschlossen. Das Management der drei Gesellschaften ist bereits vor einigen Jahren in den grünen "Glaspalast" an der Südautobahn umgezogen, nun wird der Schritt formaljuristisch nachvollzogen. Zuletzt ist auch die Palmers-Akademie nach Wiener Neudorf - in ein eigenes Stockwerk - übersiedelt. Die freiwerdenden Flächen in der Lehargasse sollen - so wie der Großteil des Gebäudes - vermietet werden, heißt es aus dem Unternehmen.

Bei allen drei Gesellschaften wird in den Hauptversammlungen auch ein neuer Wirtschaftsprüfer bestellt.(APA)

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