Pensionsreform: Wiens Lehrer nehmen Sonderurlaub

30. September 2003, 18:07
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Junglehrer können erst im Dezember eingestellt werden

Wien - Die Pensionsreform hat auch Auswirkungen auf die Jüngsten der Gesellschaft: Weil Pflichtschullehrer in Wien vor dem Antritt des Vorruhestands im Dezember noch drei Monate Sonderurlaub nehmen können, sind die Konferenzzimmer an vielen Schulen auffällig geleert. Mehr als 160 Pädagogen sind in der Bundeshauptstadt laut Stadtschulrat nämlich aus den Ferien nahtlos in den Sonderurlaub gewechselt, darunter auch viele Direktoren. Neues Personal kann erst mit dem tatsächlichen Pensionsantritt der Lehrer am 1. Dezember eingestellt werden, die Schulen behelfen sich mit dem Einsatz von Begleitlehrern als klassenführende Lehrer.

Sonderurlaub vor Vorruhestand

Hintergrund der Geschichte: Mit 1. Dezember haben die Pädagogen letztmals die Gelegenheit, zu verhältnismäßig günstigen Bedingungen mit Abschlägen in den Vorruhestand zu wechseln. Ab 1. Jänner steigt dann das Antrittsalter schrittweise. Im Pflichtschulbereich gibt es für viele Lehrer darüber hinaus die Möglichkeit, bis zum Antritt der Pension von 1. September bis 30. November einen Sonderurlaub zu konsumieren. Dieser musste allerdings vom jeweiligen Landesschulrat genehmigt werden, was in Wien auch geschah.

Tirol ortet dafür "speziellen Virus" bei Lehrern

Andere Bundesländer wie Vorarlberg, Tirol, Steiermark und das Burgenland waren dabei restriktiver, mussten dafür aber zum Teil mit anderen Schwierigkeiten kämpfen: Kurz nach Schulbeginn konstatierte etwa der burgenländische Landeshauptmann-Stellvertreter und Schulreferent Franz Steindl (V) einen "speziellen Virus" bei einigen Pädagogen, deren Pensionierung mit dem Jahresende ansteht. Diese waren nach den Ferien in den Krankenstand gegangen.

Junglehrer müssen bis 1. Dezember warten

Obwohl zahlreiche Junglehrer auf eine Anstellung warten, können die Posten aber nicht sofort nachbesetzt werden. Da der Vorruhestand nämlich erst mit 1. Dezember angetreten wird, bleiben die Stellen offiziell bis zu diesem Termin auch besetzt. Bei den Direktoren wird die Nachbesetzung auf Grund des vorgeschriebenen Objektivierungsverfahrens noch länger dauern.

Besorgt zeigte sich deshalb der Vorsitzende des Dachverbands der Elternvereine an den Pflichtschulen, Kurt Nekula. "Das plötzliche Ausbleiben der Lehrer führt natürlich zu einer Belastung des Schulbetriebs. Die Stellen sollten so rasch wie möglich, am besten morgen, nachbesetzt werden." Der Einsatz der Begleitlehrer als klassenführende Lehrer führe schließlich dazu, dass diese ihre eigentlichen Aufgaben wie die individuelle Betreuung von Kindern mit nichtdeutscher Muttersprache kaum mehr wahrnehmen können. (APA)

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