Studium in Wien wegen Kopftuch-Verbots an türkischen Unis

26. September 2003, 13:12
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Tochter von türkischem Islamisten will an der Katholischen Akademie studieren - Hochschulreform will Verbot lockern

Istanbul - Die Tochter eines der einflussreichsten islamistischen Journalisten in der Türkei will an der Katholischen Akademie in Wien studieren. Grund dafür sei das an türkischen Hochschulen geltende Verbot des islamischen Kopftuches, sagte der führende islamistische Kolumnist Abdurrahman Dilipak der Zeitung "Hürriyet" (Freitag-Ausgabe). Dilipaks Tochter Fatima Zehra will demnach in Wien katholische Theologie studieren. Die Türkei brauche "Okzidentalisten", meinte Dilipak dazu.

Auf die Möglichkeit angesprochen, dass sich seine Tochter während ihres Studiums in Österreich zum Katholizismus bekehren könnte, antwortete Dilipak: "Gott bewahre!" Die Türkei verbietet das Kopftuch in staatlichen Institutionen wie Schulen, Universitäten und im Parlament. Im Alltag tragen die meisten Frauen in der Türkei das Kopftuch.

Geplante Hochschulreform und Kopftuch-Verbot

Der Streit um das islamische Kopftuch hat in der Türkei eine innenpolitische Krise ausgelöst. Nach heftiger Kritik von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan an den Universitätsrektoren habe sich das Klima zwischen der Regierung und ihren Gegnern verschärft, berichtete die türkische Presse am Freitag. Auslöser für den Streit ist die von der Regierung geplante Hochschulreform.

KritikerInnen der gemäßigt-islamistischen Regierungspartei AKP sehen darin den Versuch, das geltende Kopftuch-Verbot an den staatlichen Universitäten zu lockern. Die AKP hat ihren WählerInnen eine Liberalisierung des Kopftuch-Verbotes versprochen. Die derzeitige Hochschulverfassung der Türkei stammt noch aus der Zeit des letzten Militärputsches von 1980 und hat das vorrangige Ziel, eine Politisierung der StudentInnenschaft zu verhindern. Die Hochschulrektoren wehren sich nicht grundsätzlich gegen eine Reform, werfen der AKP jedoch vor, die Universitäten der Kontrolle der Regierung unterstellen und für religiöse Kräfte öffnen zu wollen.

Kürzlich trafen sich die Rektoren demonstrativ mit einem hochrangigen Armeegeneral, was als Warnung an die Regierung gewertet wurde. Erdogan wies die Kritik der Rektoren an seiner Regierung als "Frechheit" zurück. Die oppositionellen Sozialdemokraten, die wie Staatspräsident Ahmet Necdet Sezer die Reformpläne der AKP mit Misstrauen betrachten, fordern nun eine Entschuldigung des Regierungschefs. (APA/AFP)(APA)

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