Spätfolgen von Krebs in der Kindheit

26. September 2003, 12:03
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US-Bericht: Ein kaum erforschtes Phänomen - bis zu zwei Drittel der PatientInnen sind Jahre später betroffen

London - Die meisten Menschen, die in ihrer Kindheit oder Jugend an Krebs erkranken, leiden Jahre nach ihrer Heilung noch an Spätfolgen und Behinderungen. Solche Konsequenzen wie Lernbeeinträchtigungen, Wachstumsstörungen oder Herzfehler betreffen nach einem Bericht des US-Instituts für Medizin bis zu zwei Drittel der PatientInnen, die eine Krebserkrankung in ihrer Kindheit überlebten. Ursachen sind die Folgen der Krankheit, Nebenwirkungen der Behandlung oder eine Kombination von beidem, schreibt die die Fachzeitschrift "British Medical Journal" in ihrer jüngsten Ausgabe.

Dieses Phänomen ist dem Bericht zufolge bisher kaum erforscht, da die Heilungschancen bei Krebs in der Kindheit erst in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen seien. Demnach hatten vor 1970 Menschen unter 20 Jahren mit einer Krebsdiagnose kaum eine Heilungschance. Inzwischen überleben vier von fünf Kindern, bei denen die Krankheit festgestellt wird. Dies sei einer der großen Erfolge der Onkologie", zitiert die Zeitschrift aus dem Bericht.

"Überraschung"

Das weitere Leben dieser Menschen wurde bisher jedoch kaum erforscht. "Der Fokus lag so lange Zeit darauf, Leben zu retten, dass die Kinder danach aus der Welt der Onkologen verschwanden", sagte die Mitverfasserin des Berichts, Susan Weiner. Dass zehn bis 15 Jahre später Folgen auftreten, sei "wirklich eine Überraschung".

Die meisten ehemaligen PatientInnen sind sich den US-ForscherInnen zufolge dieses Risikos nicht bewusst. Der Bericht empfiehlt, sie auf die Möglichkeit solcher Spätfolgen aufmerksam zu machen. Zudem müssten auch die ÄrztInnen auf diese Gefahr und den Umgang damit hingewiesen werden. Ferner solle erforscht werden, wie solche Spätfolgen minimiert oder gar verhindert werden können. (APA/AP)

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    Dass zehn bis 15 Jahre nach einer Krebserkrankung in der Kindheit Folgen auftreten, sei "wirklich eine Überraschung", so die Mitautorin des Berichts.

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