Kinder sind Frauensache

26. September 2003, 11:56
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Studie über Kinderbetreuung im Bregenzerwald zeigt Defizite auf: Männer kümmern sich zu wenig um die Kinderbetreuung

Andelsbuch - Berufstätigkeit und Kinderbetreuung lassen sich im ländlichen Raum nur schwer vereinbaren. Das zeigt auch die repräsentative sozialwissenschaftliche Erhebung "Kinderbetreuung im Bregenzerwald", die in Kooperation des Vereins "herrlich weiblich" und der Regionalplanungsgemeinschaft Bregenzerwald erstellt wurde.

4500 Kinder bis zu zehn Jahren leben in den 24 Bregenzerwälder Gemeinden. Auf eine Familie kommen 2,2 Kinder. Ihre Betreuung ist in erster Linie Frauensache. Das könne man schon aus dem Fragebogenrücklauf ersehen, sagt Studienverfasserin Erika Geser-Engleitner: "96 Prozent wurden von Frauen ausgefüllt."

39 Prozent der befragten Frauen sind berufstätig. 87 Prozent davon aus finanziellen Gründen. Zwei Drittel der erwerbstätigen Frauen haben eine Halbtagsbeschäftigung. Unterstützt werden sie bei der Betreuung durchschnittlich 16 Stunden die Woche. Den Großteil der Betreuungsarbeit übernimmt die Familie, im Kindergarten werden die Kinder durchschnittlich fünf Stunden betreut. Gleich viel Zeit, ganze 42,8 Minuten pro Tag, nimmt sich der durchschnittliche Bregenzerwälder Vater für sein Kind.

Kindergärten, die zu Mittag zu sind, verärgern berufstätige Eltern

Wenig zufrieden mit den öffentlichen Kinderbetreuungseinrichtungen sind 41 Prozent der Befragten. Bemängelt werden die strikten Öffnungszeiten und das Fehlen der Mittagsbetreuung. Der Großteil der Kindergärten schließt am Vormittag zwischen elf und 11.30 Uhr und beginnt dann wieder nachmittags um 13.30 Uhr. Für Vierjährige ist das Angebot noch beschränkter: In den meisten Gemeinden steht ihnen der Kindergarten nur zwei bis drei Nachmittage jeweils zweieinhalb bis drei Stunden offen. In der gesamten Region gibt es weder Mittags- noch Ferienbetreuung.

Regio-Obmann Josef Moosbrugger versprach bei der Studienpräsentation "flexible Lösungen". An eine Kooperation der Gemeinden werde gedacht. Geser-Engleitner: "Kinderbetreuung im Bregenzerwald wird noch sehr traditionell gehandhabt. Eine Veränderung der Situation ist nur möglich, wenn Frauen vermehrt Zugang zur Erwerbsarbeit bekommen."

Initiiert wurde die Studie über das Projekt "Drehscheibe Kinderbetreuung" des Vereins Vereins "herrlich weiblich", der Müttern die Erwerbstätigkeit ermöglichen will. (jub, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 26.9. 2003)

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