Edward Said 67-jährig gestorben

27. September 2003, 15:31
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Der palästinensische Intellektuelle galt als einer der schärfsten Kritiker sowohl Israels als auch der Autonomiebehörde

New York - Einer der weltweit bekanntesten Kritiker sowohl Israels als auch der Autonomiebehörde, der linksgerichtete palästinensische Intellektuelle Edward Said, ist tot. Er starb am Donnerstag im Alter von 67 Jahren in New York nach jahrelangem Kampf gegen eine Leukämie, wie die Columbia University mitteilte. Said, ein christlicher Araber, der in Jerusalem geboren wurde, in Kairo aufwuchs und mit 17 Jahren in die USA ging, lehrte an der New Yorker Universität seit 1963 Anglistik und Vergleichende Literaturwissenschaft.

Zahlreiche Publikationen zum Nahost-Konflikt

Seit der arabischen Niederlage im Sechs-Tage-Krieg von 1967 befasste er sich in zahlreichen Büchern mit dem Nahostkonflikt. 14 Jahre lang, bis zu seinem Bruch mit PLO-Chef Yasser Arafat im Jahr 1991, war er Mitglied des Palästinensischen Nationalrates.

Said warf Arafat vor, sich auf den Osloer Friedensprozess eingelassen zu haben; dieser bedeutete seiner Meinung nach nichts anderes als die bedingungslose Unterwerfung und Entrechtung der palästinensischen Seite und die internationale Legitimation des militärisch in jeder Hinsicht übermächtigen israelischen Staates. Zugleich kritisierte er die Autonomiebehörde unter Arafat als undemokratische, korrupte und polizeistaatliche Autokratie. Kompromisslos auch gegenüber den radikalislamischen Gruppen, deren Anschläge gegen unschuldige Zivilisten er verurteilte, plädierte Said für ein friedliches Zusammenleben von Juden, Moslems und Christen als gleichberechtigte Bürger in einem binationalen, demokratischen Staat. Dabei sprach er sich als Übergangslösung für eine vorübergehende staatliche Teilung aus.

"West-Eastern-Divan-Orchestra"

Der Kulturwissenschaftler gründete zusammen mit dem argentinisch-israelischen Dirigenten Daniel Barenboim 1999 in der Europäischen Kulturstadt Weimar das internationale "West-Eastern-Divan-Orchestra" mit Musikern aus dem gesamten Nahen Osten. Der seit 1970 verheirate Said war Vater von zwei Kindern. Zu seinen bekanntesten Werken gehört das in 26 Sprachen übersetzte Buch "Orientalism" aus dem Jahr 1978. Seine Autobiografie erschien auf deutsch unter dem Titel "Am falschen Ort". Sein Buch "Das Ende des Friedensprozesses. Oslo und danach" enthält Artikel zum Nahostkonflikt aus den Jahren 1995 bis 2002. (APA)

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    Edward Said

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