Hormonbehandlung: Alternative vorgestellt

25. September 2003, 19:20
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Der Haken: auch höheres Brustkrebsrisiko

Wien - Auf der Donnerstag in Wien eröffneten Konferenz "Brustkrebs 2003" wurde die Diskussion über Risiken von Hormonersatztherapien für Frauen im Wechsel fortgesetzt. Und gleich mögliche Alternativen vorgestellt.

Eine solche sei der synthetische, Hormonen ähnliche Wirkstoff Tibolon. Im Körper wird dieser in drei aktive Verbindungen umgewandelt: Zwei wirken überwiegend östrogen, eine gestagen und androgen (also wie ein männliches Sexualhormon).

Laut Ernst Kubista, Leiter der Abteilung für Spezielle Gynäkologie an der Wiener Frauenklinik, sei das Besondere dieser Substanz ihre Gewebespezifität: Die östrogene Wirkung ziele auf thermoregulatorische Zentren im Hirn, auf Knochen und die Vaginalschleimhaut, nicht jedoch auf Brustgewebe und Endometrium (Gebärmutterschleimhaut) Dadurch verbesserten sich klimakterische Beschwerden wie Hitzewallungen, Schweißausbrüche und Scheidenprobleme und werde der postmenopausalen Osteoporose vorgebeugt. Der Wirkstoff erhöhe aber kaum die Dichte von Brustgewebe und Endometrium - was hingegen Östrogen tut und damit auch das Krebsrisiko erhöht.

Diskutierte Studie

Laut einer seit Wochen diskutierten Studie, publiziert im britischen Fachblatt "The Lancet", haben Frauen unter Östrogentherapie ein 30 Prozent höheres, jene unter Östrogen-Gestagen-Behandlung ein doppelt so hohes relatives Brustkrebsrisiko als Frauen ohne Hormone.

Laut dieser viel beachteten Studie erhöhe aber auch Tibolon das Brustkrebsrisiko. Und zwar um 45 Prozent - noch mehr als bei Frauen mit Östrogentherapie allein.

In Großbritannien bekamen offenbar jene Frauen Tibolon, die schon zuvor über Probleme mit der Brust geklagt hätten, vermutete Kubista: "Man verwendete jenes Präparat, von dem man wusste, dass es eher günstige Wirkungen hat." Trotzdem hätten gerade diese Patientinnen eben ein generell höheres Brustkrebsrisiko. Daher das negative Resultat.

Klärung soll die internationale "Liberate"-Studie bringen - an insgesamt 2600 Frauen mit Wechselbeschwerden, die bereits wegen Brustkrebs behandelt worden sind. Bis 2008 soll sich herausstellen, welche Wirkung Tibolon bei diesen Hochrisikopatientinnen hat. Ein Brustkrebs fördernder Effekt müsste sich gerade bei diesen Frauen extrem schnell zeigen. Für die "Lancet"-Studie wurden Daten über mehr als eine Million Frauen analysiert. (fei, DER STANDARD, Print, 26.09.2003)

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