Rezession, Baby!

31. Oktober 2003, 14:27
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Harald Schmidt legte sein Gehalt offen - Das alles macht böses Blut, der Mann ist nicht Oprah Winfrey ...

Es gibt ein einziges Land auf der Welt, in dem man offen sagen darf, wie viel Geld man tatsächlich verdient, ohne dafür öffentlich geprügelt zu werden. Weil es in den USA alle bis dorthin schaffen wollen, gilt der Reiche etwas. Wer arm ist, für den heißt es dort immer noch: Selber schuld! Und: Hoch mit dem Hintern statt den Tassen!

Im deutschen Sprachraum sollte man sich mit diesbezüglicher Offenherzigkeit traditionell zurückhalten. Gestopft sein und den Mund am besten gestopft bekommen liegt hier eng beieinander. Man sollte andererseits auch keinesfalls mit falschem Understatement spielen, wie es Harald Schmidt jetzt gerade mit der scheinbaren Offenlegung seines Gehalts getan hat.

Laut dem Internetdienst T-Online streift Schmidt für seine tägliche Show nämlich nicht die von ihm am Mittwoch launig auf Sendung angebenen 1000 Euro pro Ausgabe ein. Zuzüglich zu einer kolportierten Tagesgage von 40.000 Euro kommen auch noch die Verkaufserlöse der von ihm selbst produzierten Show an den Haussender Sat 1. Und 90 Mitarbeiter seiner Firma Bonito TV wollen schließlich auch ernährt werden.

Das alles macht böses Blut, der Mann ist nicht Oprah Winfrey. Wer will denn bei uns wirklich hören, was ihm nach dem in seiner Show vorgerechneten Abzug der Steuern de facto zum täglichen Überleben bleibt? Wenn Schmidt diese Strategie weiterverfolgen sollte, ist er seiner Sehnsucht nach niedrigen Quoten jedenfalls wieder ein Stück näher gekommen. Rezession, Baby! (schach/DER STANDARD, Printausgabe, 26.9.2003)

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