Scharfer Wettbewerb, billige Ladenhüter

6. Oktober 2003, 20:11
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Der Wettbewerb tobt, aber Autos werden nicht billiger - Doch mittlerweile steigt der Druck auf die Händler - Konsumenten könnten davon profitieren

"Wir haben in der EU eine Überproduktion von Autos. Und der Wettbewerb wird schärfer. Es wird verstärkt Sondermodelle und Aktionsmodelle geben", sagt Felix Clary, Sprecher der heimischen Autoimporteure, anlässlich des Starts in eine neue Ära in Europas Autowelt. Denn am 1. Oktober treten neue Regeln für den Vertrieb von Personenwagen in Kraft. Dabei fällt unter anderem der Gebietsschutz (wobei es eine Galgenfrist bis 2005 gibt), auch der Vertrieb verschiedener Marken unter einem Dach wird möglich.

Wettbewerb anfeuern

Wettbewerbskommissar Mario Monti wollte so den Wettbewerb anfeuern. Seiner Meinung nach seien in manchen Märkten die Preise für Autos zu hoch. Dies hat die Ursache darin, dass in Hochsteuerländern wie Dänemark die Nettopreise der Kfz von den Werken niedrig gehalten werden, um das Gut Auto einfach leistbar zu machen. Quasi quersubventioniert wird dies durch höhere Werksabgabepreise in Niedrigsteuerländern wie Deutschland oder Österreich. Doch das Preisniveau werde sich nicht an Dänemark orientieren, sondern eher am größten Markt, also Deutschland, argumentiert Clary, auch Chef der BMW- Importorganisation in Österreich.

Preisfrage Nichts also mit den von Monti in Aussicht gestellten Verfall der Autopreise? Eher doch, aber nicht auf breiter Basis. In dieser Frage muss nämlich unterschieden werden zwischen Preisen auf dem Papier und dem tatsächlich bezahlten Betrag: Niemand zahlt heute für ein Auto den Listenpreis, der vom Hersteller "empfohlen" wird. Die Preise bestimmt immer noch der Markt, in Europa werden zu viele Autos produziert, ergo fallen die Preise über die Rabatte.

Dem einen Riegel vorschieben wollte man, indem sämtlichen Händlern neue Verträge gegeben wurden (genauer: fast allen, knapp zehn Prozent bekamen keinen Markenvertrag mehr). Dabei wurden die Grundmargen gekürzt, dafür aber mehr erfolgsabhängige Boni eingeführt. Das heißt, der betriebswirtschaftliche Spielraum beim Rabattverhandeln sollte für den Händler geringer werden.

Mehr Sondermodelle

Was aber den Druck aus den Werken, die die Kapazität ihrer bestehenden Produktionsbänder ausnützen müssen, nicht senkt: Deswegen sieht Clary den Trend zu mehr Sondermodellen, zu regulären Preisen nicht verkaufbare Aktionsware zu Niedrigstpreisen werde vermehrt angeboten werden.

Trotz aller Finten ist ein für den Konsumenten lukrativer Preiskampf zu erwarten: Der Importeurssprecher muss auch zugeben, dass "das Preisgefüge kurzfristig gestört" werde, wenn sich "neue Marktteilnehmer nur über den Preis positionieren".

Neue Mitspieler könnten internationale Autohandelsketten sein, die sich ab 2005 in Gebiete reinsetzen könnten, wo eher schwache regionale Händler sitzen. Oder Leasingtöchter von Banken, die nun parallele Verkaufsnetze aufziehen könnten. Oder überhaupt Branchenfremde. Der Schritt des Versandriesen Quelle dürfte erst der Anfang gewesen sein.

Die Arbeiterkammer wertet Clarys Aussagen als wettbewerbsrechtlich problematisch: "Es kann nicht angehen, dass die Liberalisierungsziele der EU durch ein Zusammenspiel der Kfz-Branche letztendlich in einer Preiserhöhung enden." (Leo Szemeliker, DER STANDARD Print-Ausgabe, 26.9.2003)

  • GVO und Wettbewerb: Der heimische Automarkt könnte demnächst Kopf stehen.
    foto: der standard/cremer

    GVO und Wettbewerb: Der heimische Automarkt könnte demnächst Kopf stehen.

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