Bei der Estag droht Köpferollen

28. September 2003, 18:29
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Der Verbund hat beim Einstieg bei der steirischen Estag keine Eile - Zuerst muss die Energieholding ein heikles Prüfverfahren überstehen

Wien/Graz - Der Verbund kann sich bei den Plänen, bei der steirischen Energieholding Estag einzusteigen, beruhigt zurücklehnen. Denn vor einem Verkauf von weiteren 24,8 Prozent an der Estag durch das Land müssen die Revisoren mit ihren Prüfberichten fertig werden.

Knackpunkt Electricité de France

Dazu kommt: Der Verbund kann nur dann einsteigen, wenn die Electricité de France (EdF), die eine Sperrminorität hält, dem zustimmt oder aussteigt. Für den Verbund ist ein Einstieg von den eingeräumten Rechten abhängig, als eine reine Finanzbeteiligung werde man die Estag-Aktien nicht kaufen. Das Land will dafür mindestens 180 Mio. Euro, die auch schon im Budget eingeplant sind.

Und die Entscheidung über einen EdF-Rückzug wird laut Insidern erst nach der strategischen Neuorganisation des französischen Staatskonzerns spruchreif. Diese liegt aber auf Eis. In Graz heißt es hinsichtlich des Rückzugs der EdF, das sei bisher kein Thema gewesen. In Paris hält man sich in Sachen Estag bedeckt.

Aktienrechtliche Sonderprüfung

Vor dem Verkauf der zur Disposition stehenden 24,8 Prozent gibt es noch eine andere Hürde, nämlich den Ausgang der aktienrechtlichen Sonderprüfung und der Rechnungshofprüfung bei der Energie Steiermark Holding AG. Stimmen die der Überprüfung zugrunde liegenden Vorwürfe, dürfte das auch zu personellen Konsequenzen im Vorstand führen, sagen Insider.

Die Revision angestoßen hatte der Estag-Vorstand und ehemalige VP-Landesrat Gerhard Hirschmann. Dieser hatte kurz nach seinem Einzug in die Chefetage öffentlich Privilegien seiner Vorstandskollegen, angebliche Missstände im Unternehmen, fragwürdige Beteili 3. Spalte gungen und Seilschaften angeprangert. Darauf ordnete Estag-Eigentümervertreter und Landesrat Herbert Paierl eine Sonderprüfung an. Hirschmanns Vorwurf, auch strafrechtlich relevante Vorkommnisse seien nicht auszuschließen, wurde nach einer Untersuchung der Staatsanwaltschaft Graz aber nicht bestätigt.

Konsequenzen für Hirschmann

Werden Hirschmanns Vorwürfe von den Prüfern nicht bestätigt, könnte dies Konsequenzen für Hirschmann bedeuten. In Estag-Kreisen spricht man dann von einem eventuellen Wechsel in den Styria-Konzern. Und auch davon, dass in der Folge der Estag-Aufsichtsrat ausgetauscht werden könnte. (Walter Müller, Clemens Rosenkranz, DER STANDARD Print-Ausgabe, 26.9.2003)

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