Förderkürzung droht zu verpuffen

29. September 2003, 21:46
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Trotz eines raschen Ölpreis-Anstiegs nach der Opec-Entscheidung: Insider erwarten in naher Zukunft eine weitere Senkung

Wien - Der überraschende Beschluss der Opec vom Mittwoch, die Förderung um 900.000 Fass zu kürzen, um den Preisverfall zu stoppen, führte kurzfristig zu einer markanten Verteuerung. Am Donnerstag kostete ein Fass (à 159 Liter) mit 27,10 Dollar um 1,5 Dollar mehr als vor dem Senkungsbeschluss.

Insider erwarten aber, dass die Präventivmaßnahme der Opec mittelfristig verpuffen wird. Daher könnte das Kartell beim außerordentlichen Treffen Anfang Dezember erneut an der Förderschraube drehen. Die jetzt vereinbarte Kürzung könnte nicht mehr als ein Tropfen im Ozean sein, analysiert der Energiebroker PVM. So gehe die Opec davon aus, dass die Lagerbestände im ersten Quartal 2004 um 1,4 Mio. Fass ansteigen werden.

Bescheidende Kürzung

Dagegen nehme sich die jetzt vereinbarte Produktionskürzung recht bescheiden aus, das Risiko einer Ölschwemme bleibe daher weiter bestehen. Faktoren dafür seien auch die traditionell laxe Quotendisziplin und der erwartete Aufschwung in der irakischen Ölindustrie.

Die Opec werde große Schwierigkeiten haben, ihre beiden Ziele (Halten des Marktanteils und ein Ölpreis um die 25 Dollar) erreichen zu können, erwartet PVM. Gelingen könne das nur, wenn auch die Nicht-Opec-Produzenten bei den Kürzungen mittun - und selbst da bleibe ein großes Fragezeichen. Auch wenn alle Förderländer eine solche Maßnahme mittragen, wäre ihre Umsetzung eine große Herausforderung: Dann würde Saudi-Arabien noch weiter hinter den weltgrößten Erzeuger Russland zurückfallen, und Algerien und Nigeria könnten dann die Vorteile ihrer stark steigenden Produktionskapazitäten nicht ernten.

Konjunkturneutral

Laut Experten sei die Drosselung der Opec-Förderung noch keine Gefahr für die langsam anziehende Weltkonjunktur. So erwartet die Deutsche Bank nicht, dass sich dadurch die mittelfristigen Konjunkturaussichten nachhaltig verschlechterten. Dies sei erst dann der Fall, wenn der Ölpreis anhaltend und deutlich über 30 Dollar verharre. (DER STANDARD Print-Ausgabe, 26.9.2003)

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    Die Opec hat an den Ölhähnen gedreht: Die Preise steigen prompt.

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