Unterschiedliche Überlebensraten bei Krebs

29. September 2003, 19:02
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Forscher: Kluft zwischen west- und osteuropäischen Ländern

Kopenhagen - Die Überlebensraten bei Krebserkrankungen haben sich in Europa einer neuen Studie zufolge verbessert. Allerdings hat sich dabei die Kluft zwischen den Ländern West- und Osteuropas verstärkt. Nach den am Donnerstag in Kopenhagen veröffentlichten Ergebnissen der so genannten EUROCARE-3-Studie sind in Europa im Durchschnitt 47 Prozent der Frauen und 40 Prozent der Männer bei einer Krebserkrankung nach fünf Jahren noch am Leben. Die Auswertung bezieht sich allerdings noch auf Daten bis spätestens 1999.

"Das Überleben bei Krebs nimmt in Europa zu, aber die Unterschiede zwischen west- und osteuropäischen Ländern vergrößern sich", kommentierte Michel Coleman, Mitautor der Studie und Professor an der London School of Hygiene and Tropical Medicine, auf einem Krebskongress in Kopenhagen die Resultate. Mit einer Überlebensrate von 94 Prozent haben Patienten in Europa mit Lippenkrebs die größten Chancen, die Krankheit zu überstehen. Dagegen sind bei Bauchspeicheldrüsenkrebs nur noch vier Prozent der Patienten nach fünf Jahren am Leben.

Hintergrund

Die von der Europäischen Union finanzierte EUROCARE-3-Studie ist die bisher umfangreichste internationale Studie zum Überleben bei Krebserkrankungen. In ihr wurden Überlebensraten aus 22 Ländern bei 42 unterschiedlichen Krebserkrankungen verglichen. Dabei wurden Daten zu 1,8 Millionen Erwachsenen und 24.000 Kindern bis zum Jahr 1999 ausgewertet, bei denen zwischen 1990 und 1994 eine Krebserkrankung diagnostiziert wurde.

In den USA liegen die Überlebensraten nach fünf Jahren nach Angaben des National Cancer Institute derzeit bei 63,5 Prozent für Frauen und 62 Prozent bei Männern.

Europaweite Unterschiede

Nach den Ergebnissen der Studie hatten Menschen in Österreich, Frankreich und der Schweiz die größten Chancen, eine Krebserkrankung zu überstehen. Am unteren Ende lagen die Slowakei, Estland und Polen. Die osteuropäischen Länder liegen nach den Worten von Coleman unter dem europäischen Durchschnitt für beide Geschlechter, aber auch Dänemark, England, Schottland und Wales hätten schlechter abgeschnitten. Luxemburg, Griechenland, Belgien und Irland waren auf Grund nicht verfügbarer Daten nicht in die Studie einbezogen worden.

Neben dem Stadium des Tumors zum Zeitpunkt der Diagnose und dem Zugang zu Behandlungen spiele auch die Höhe der Investitionen in die Gesundheitssysteme eine Rolle bei der Kluft zwischen Ost- und Westeuropa. "Je eher man diagnostiziert wird, umso besser", sagte Coleman. So entfielen in Deutschland 10,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts auf das Gesundheitssystem, verglichen mit lediglich sechs Prozent in Polen. (APA/Reuters)

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