Schlimmer Abend für Österreichs Fußball

13. Oktober 2003, 15:42
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Ernüchterung bei Austria Wien nach Niederlage gegen Dortmund - Bei Vizemeister GAK passte nur Ergebnis - Salzburg wurden Grenzen gezeigt

Wien - Nach den 0:1-Niederlagen gegen den FC Porto und Olympique Marseille hat die Wiener Austria mit dem 1:2 im Erstrundenhinspiel des Fußball-UEFA-Cups gegen Borussia Dortmund die dritte Europacup-Niederlage in Folge kassiert. Im Zentrum der Kritik von Trainer Joachim Löw standen die Offensivkräfte.

Ernüchterung bei Austria Wien

"Uns fehlt die Durchschlagskraft, wir machen einfach keine Tore", zog der deutsche Austria-Coach simple, aber stichhaltige Schlüsse. Von Löw bekamen aber nicht nur die Stürmer Rushfeldt und Gilewicz, die sich kaum bis gar nicht in Szene zu setzten wussten, ihr Fett ab, denn auch das 1:2 durch Ricken bereitete dem Schwaben schwere Kopfschmerzen: "Dieses Tor darf nie passieren. Einige Spieler standen fünf Meter vom Gegner weg."

Torschütze Vladmimir Janocko, der einen Super-Freistoß aus 32,5 Metern ins linke Kreuzeck nagelte, holte sich zwar eine kräftige Portion Selbstvertrauen, für den Slowaken allerdings nur ein schwacher Trost. "Wir müssen aus solchen Spielen lernen. Die Austria war zehn Jahre nicht im Europacup und muss sich wieder herantasten", meinte Janocko, dem im Vorjahr im Heimspiel gegen Donezk ein ähnlich spektakulärer Treffer gelungen war.

"Wir sind sicher nicht unbedingt die Glückskinder. Aber das Glück kommt eben oft zum Tüchtigen", meinte Kapitän Michael Wagner, der vor allem die enorm schwierigen Lose in jüngster Vergangenheit sowie jeweils das Heimrecht im Hinspiel als Pech bezeichnete. Eine Verbesserung gegenüber des noch um vieles matteren Marseille-Heimspiels war laut Wagner zu erkennen, "allerdings leider nur phasenweise".

GAK präsentierte sich schwach

So richtig zufrieden durfte Vizemeister GAK beim Gastspiel in Oslo nur mit dem Resultat sein. Durch das 0:0 auswärts gegen den norwegischen Cupsieger Vaalerenga steht die Tür zur zweiten Runde im Rückspiel am 15. Oktober im Schwarzenegger-Stadion weit offen, obwohl die Grazer über weite Strecken enttäuschten und nur mit Glück ohne Gegentreffer davonkamen.

Trainer Walter Schachner kritisierte vor allem die für den GAK ungewöhnliche Zweikampfschwäche. "Die Norweger haben uns mit hohen Bällen unter Druck und in Verlegenheit gebracht. Sie haben ihre Chancen aber Gott sei Dank nicht genützt", erklärte Schachner, dem auch die zahlreichen Abspielfehler im Spielaufbau missfielen. Der Trainer hofft, dass seine Mannschaft die Lehren aus der Nullnummer gezogen hat. "Man kann eben international nur bestehen, wenn man hundertprozentig dagegen hält. Aber es ist auch klar, dass wir nicht jede Partie so wie gegen Ajax spielen können", nahm er seine Elf in Schutz.

Die Chance für den Einzug in die zweite Runde seien trotz der dürftigen Darbietung gestiegen. "Vorher war es 60:40, jetzt würde ich sie auf 70:30 einschätzen", meinte Schachner, dem im Rückspiel in drei Wochen die zuletzt gesperrt gewesenen Ehmann und Pötscher wieder zur Verfügung stehen. Zudem könnten die Verletzten Naumoski, Goossens oder Akwuegbu bis dahin wieder in den Kader zurückkehren, um den Aufstieg sicherzustellen. "Aber zu Hause wird es gegen Oslo genauso schwer wie auswärts", warnte der Coach.

Durchhalteparolen in Salzburg

Der SV Salzburg hat Trotz der 0:1-Niederlage gegen Udinese Calcio die Hoffnung auf einen Aufstieg noch nicht ganz aufgegeben. "Wir haben noch eine Chance, wenn wir zu Null spielen und in der 92. Minute ein Tor machen", meinte Trainer Lars Söndergaard mit ironischem Unterton, und Heimo Pfeifenberger ergänzte. "Aufgegeben wird ein Brief, sonst nichts."

Der frühere ÖFB-Teamspieler kam in der 77. Minute zur einzigen echten Chance für die Mozartstädter, sein Kopfball ging allerdings knapp über die Querlatte. "Zugegegen, wir hatten nicht viele Möglichkeiten, haben aber auch nicht viele zugelassen", erklärte Söndergaard, der sich vor allem mit der Leistung seiner Mannschaft in der zweiten Hälfte zufrieden zeigte. "Wir waren nach dem Seitenwechsel mit Sicherheit die bessere Mannschaft." Dieser Meinung schloss sich auch Manager Peter Assion an. "Wir haben kämpferisch und läuferisch voll überzeugt und haben in der zweiten Hälfte versucht, Fußball zu spielen, was uns ganz gut gelungen ist. Man kann nicht sagen, dass Udinese verdient gewonnen hat, denn wir waren das optisch überlegene Team", sagte der Deutsche.

Doch auch die Zufriedenheit über die Darbietung in den zweiten 45 Minuten ändert nichts an der Tatsache, dass die Salzburger nach sechsjähriger Abwesenheit vom internationalen Geschäft gleich in der ersten UEFA-Cup-Runde wieder vor dem Aus stehen. "Wir haben gewusst, dass uns die Italiener fußballerisch und taktisch überlegen sind", lobte Assion den Gegner, dem im Rückspiel am 15. Oktober in Udine bereits ein Remis zum Aufstieg reicht.(APA)

  • Enttäuschung in Wien nach dem Schlusspfiff.

    Enttäuschung in Wien nach dem Schlusspfiff.

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