Reuters-Chef fordert Bericht von Rumsfeld

3. Oktober 2003, 14:22
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Kritik am "willkürlichen Umgang" der US-Militärführung zu Informationen über tödliche Schüsse auf Kameramann

Der Chef des Nachrichtenkonzerns Reuters, Tom Glocer, hat US-Verteidigungsminister Rumsfeld aufgefordert, den Untersuchungsbericht zu den tödlichen Schüssen von US-Soldaten auf Reuters-Kameramann Mazen Dana im Irak zugänglich zu machen. In einem am Donnerstag veröffentlichten Schreiben kritisierte Glocer zudem den "willkürlichen Umgang" der US-Militärführung mit den Informationen über den Fall.

Bereits am 20. August hatte Glocer in einem Brief an Rumsfeld eine vollständige Aufklärung der Umstände verlangt, die zu dem Tod des Kameramannes geführt hatten. "Ich fordere Sie auf, nun sicher zu stellen, dass eine vollständige Kopie des Berichts Reuters und der Familie Mazen Danas zugänglich gemacht wird", hieß es in dem bereits am Mittwoch verschickten Schreiben Glocers an Rumsfeld. Den bisherigen Umgang mit den Informationen durch das US-Militär nannte Glocer "zutiefst enttäuschend".

Ein US-Militärsprecher hatte am Montag vor Reportern erklärt, die Untersuchung habe ergeben, dass die US-Soldaten im Irak ihre militärischen Vorschriften bei dem Vorfall eingehalten hätten, dass der vollständige Bericht von Washington aber nicht veröffentlicht werde. Auch zu den Gefechtsregeln, die dem Bericht zu Grunde lagen, machten das US-Militär keine Angaben.

Dana war am 17. August von einem US-Soldaten von einem Panzer aus erschossen worden, als er in der Nähe der irakischen Hauptstadt Bagdad Filmaufnahmen machte. Der 41-jährige Dana war der zweite Reuters-Kameramann, der seit Kriegsbeginn im März im Irak von US- Soldaten getötet wurde. Am 8. April war der Reuters-Kameramann Taras Protsyuk bei Aufnahmen im Hotel Palestine in Bagdad getötet worden, als ein US-Panzer auf das Hotel feuerte. In einem Bericht des Verteidigungsministeriums hieß es dazu, der Schütze habe den Kameramann für einen Beobachter gehalten, der feindliches Feuer habe leiten sollen. (APA)

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    Reuters-Kameramann Mazen Dana.

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