WAZ will Dichand absetzen lassen

18. Oktober 2003, 10:05
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Deutscher Hälfteeigentümer ruft wegen angeblicher Verfehlungen Schiedsgericht an - Streit eskaliert

Der Machtkampf um die "Kronen Zeitung" geht in die nächste Phase. Das Ziel - DER STANDARD berichtete - ist damit quasi offiziell: Hans Dichand, 82, soll nicht länger Hauptgeschäftsführer des Kleinformats sein. Die WAZ-Gruppe, wie Dichand im Besitz von 50 Prozent der "Krone"-Anteile, steuert offenbar auf zwei gleichberechtigte Manager zu.

Sinkende Renditen

Dichand werfen die Essener seit längerem sinkende Renditen vor. Sollten die tatsächlich zurückgehen, könnte das naturgemäß auch den Wert der "Krone" schmälern. Dichand - und zuletzt auch sein Sohn Michael - haben mehrfach erklärt, die Familie täte nichts lieber, als der WAZ ihre 50 Prozent abzukaufen. Das lehnten die Essener stets ab, die auch knapp 50 Prozent am "Kurier" halten, der mit der "Krone" die den Zeitungsmarkt dominierende Mediaprint bildet.

Die WAZ ging zum Angriff über. Anlass bot etwa die Bestellung von Sohn Christoph zum Nachfolger Dichands als "Krone"-Chefredakteur und seine geforderte Gage. Danach der WAZ zu werbliche Berichte der "Krone" über ein Onlineauktionshaus, an dem Dichand junior beteiligt ist. Zudem Hans Dichands Monatssalär von 713.346,21 Euro. Zuletzt ein Gegenangriff von Dichands ältestem Sohn, Michael: Er warf der WAZ bei ihren Verlagsgeschäften auf dem Balkan Verbindungen zur "Mafia" vor.

Fragenkatalog

Zu all diesen Punkten und den Gründen sinkender Renditen schickte die WAZ Dichand senior wie berichtet einen langen Fragenkatalog. Mit einem Tag Verspätung antwortete der Mittwochabend. Nach Angaben der Essener aber mit einer "völlig unzureichenden, ausweichenden Stellungnahme, die zum Teil überdies den Tatsachen nicht entspricht". Deshalb bemüht man nun das Schiedsgericht gegen Dichand.

Der war für eine Stellungnahme zu den Vorwürfen aus Essen ebenso wenig zu erreichen wie WAZ-Chef Erich Schumann.

Die "Krone" lesen täglich 43,1 Prozent der Österreicher. Mit dem an der News-Gruppe beteiligten "Kurier" kontrolliert sie die marktbeherrschende Mediaprint. (fid/DER STANDARD, Printausgabe, 26.9.2003)

Der WAZ gehören wie Dichand 50 Prozent des Kleinformats.
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    Hans Dichand

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