Deutschland: Konjunktursignale stehen auf Aufschwung

30. September 2003, 15:12
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Ifo-Ausblick steigt zum fünften Mal in Folge - Vor Euphorie wird dennoch gewarnt - mit Infografik

Berlin - Der Chef des Münchner Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, hatte am Donnerstag zuerst positive Nachrichten zu verkünden: Der Ifo-Geschäftsklima-Index hat im September auf 91,9 von 90,8 Punkten im August zugelegt. Die Erwartungen der Unternehmen seien in Westdeutschland nun erstmals seit Frühjahr 2002 wieder überwiegend positiv, erklärte der Ifo-Präsident. Er fügte jedoch gleich hinzu: "Die in allen Sektoren zu beobachtende Verschlechterung der Lage gegenüber dem Vormonat mahnt allerdings weiterhin zur Vorsicht."

Einzelhandel und Industrie positiv

Die 7000 befragten Unternehmen beurteilten im September nur ihre Geschäftsaussichten besser, die Einschätzung ihrer aktuellen Lage fiel zur Besorgnis vieler Volkswirte schlechter als im Vormonat aus. Der Teilindex der Erwartungen stieg auf 105,2 von 102,2 Punkten im August, die Lagebeurteilung gab dagegen auf 79,2 von 79,9 Punkten nach. In Ostdeutschland verschlechterte sich das Geschäftsklima auf 104,0 von 104,1 Punkten im August. Auch hier verbesserten sich die Erwartungen, während sich die Lageeinschätzung verschlechterte.

Einen positiven Trend machten die Konjunkturforscher bei Einzelhandel und Industrie als traditionellen Motoren der Konjunktur aus. Dagegen hinken Bau und Großhandel hinterher. Hier hat sich das Geschäftsklima im September eingetrübt.

Trendwende

Nach einer Faustformel des Ifo-Instituts ist schon ein Anstieg des Gesamtindex in drei aufeinander folgenden Monaten ein Signal für eine konjunkturelle Trendwende. Obwohl der Frühindikator nun schon zum fünften Mal in Folge angestiegen ist, warnten Volkswirte in Deutschland vor zu viel Euphorie. Ein stärkerer Euro und ein höherer Ölpreis stellten für die kommenden Monate ein Risiko dar und legten nahe, dass sich die Erwartungen wieder verschlechtern könnten.

Ifo-Chef Sinn trat am Donnerstag noch als Mahner an anderer Front auf: Er warnte die rot-grüne Koalition vor einer Kürzung der Entfernungspauschale für Kilometer. Sie soll nach den Plänen der Koalition von 40 auf 15 Cent pro Kilometer reduziert werden. Finanzminister Hans Eichel wollte sie bis zu 20 Kilometer Entfernung zwischen Wohn-und Arbeitsplatz gänzlich streichen, um Löcher im Budget, die derzeit auf zehn Milliarden Euro geschätzt werden, zu stopfen.

Damit würden ökonomische Fehlentscheidungen der Bürger provoziert, warnte Sinn in einem Beitrag für die Süddeutsche Zeitung: "Deshalb: Hände weg von der Entfernungspauschale." Nicht nur die Opposition, auch SPD-regierte Bundesländer wie Rheinland-Pfalz protestierten gegen diese Pläne. (Alexandra Föderl-Schmid, DER STANDARD Print-Ausgabe, 26.9.2003)

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