Portrait: Regierungsrätin gab der neuen Zeit ein Gesicht

28. September 2003, 11:16
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Akila el Hashimi hatte bereits unter Saddam Hussein Karriere gemacht

Bagdad - Mühelos wie wenigen war Akila el Hashimi der Übergang in die neue Zeit gelungen. Unter der Herrschaft von Saddam Hussein war die schiitische Diplomatin, die Donnerstag - fünf Tage nach einem Mordattentat - gestorben ist, Mitglied der Staatspartei Baath, sie war Karrierebeamtin im Außenministerium und Schützling des Vizeministerpräsidenten Tarek Aziz. Dennoch berief die US-Zivilverwaltung Hashimi nach dem Krieg in die Majlis el Hukm, den provisorischen "Regierungsrat": Sie hatte für ihre neue Aufgabe ein im Irak seltenes Eignungsprofil vorzuweisen, das ihre Vergangenheit in den Hintergrund treten ließ.

Die Schiitin war als Doktorin der französischen Literatur und frühere Verbindungsfrau des irakischen Außenministeriums zu internationalen Organisationen gewandt auf dem diplomatischen Parkett. Ihr Einsatz gegen den Irak-Krieg hatte ihr bei ihren Landsleuten zu patriotischer Glaubwürdigkeit verholfen. Und zudem war Hashimi eine Frau. Die renommierte Frauenrechtlerin war eines von nur drei weiblichen Mitgliedern im "Regierungsrat". Als einzige der drei trug Hashimi keinen Schleier, sie gab der neuen Zeit ein Gesicht.

Gerade die Geschmeidigkeit, mit der die Diplomatin sich den neuen Verhältnissen im Irak anpasste, dürfte ihr viele Feinde gemacht haben. Nach dem Attentat wurde im Irak spekuliert, wer die Attentäter zu Hashimis Haus im Westen Bagdads geschickt haben könnte, wo sie die Politikerin in Bauch, Schulter und Bein schossen. Ratsmitglied Ahmed Chalabi vermutete einen Racheakt von Anhängern Saddam Husseins. Sein Ratskollege Wael Abdulatif konnte sich Saddam-Anhänger oder El-Kaida-Mitglieder als Täter vorstellen. Und die Politikerin Songkul Capuk vom Regierungsrat, die sich als Freundin von Hashimi bezeichnet, schob die Schuld auf Ausländer: "Ich glaube, da steckte eine Bande dahinter, die aus dem Ausland gekommen ist. Das war nicht irakisch."

Mit großer Zähigkeit hatte Hashimi die Aufgaben ausgeführt, die ihr bisher aufgetragen wurden. Im Februar entsandte sie die damalige Bagdader Regierung zum Blockfreiengipfel nach Malaysia, wo die Diplomatin gegen die US-Kriegspläne Stimmung machte.

Nach dem Krieg kam Hashimi im Juni als Gesandtin des neuen Irak zur UN-Geberkonferenz nach New York, wo sie selbstbewusst verkündete: "Der Irak ist zurück. Dies ist ein Bekenntnis zur Wiedereingliederung des Irak in die internationale Gemeinschaft." In wenigen Tagen hätte sie als Vertreterin ihres Landes zur UNO-Vollversammlung nach New York reisen sollen. Am Sonntag wurde berichtet, sie sei außer Lebensgefahr. Ihr Gesundheitszustand verschlechterte sich jedoch am Mittwoch, am Donnerstag erlag sie ihren schweren Verletzungen. (APA)

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    Akila el Hashimi erlag am Donnerstag ihren Verletzungen nach einem Attentat am Samstag.

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    Die Mitglieder des von der USA eingesetzten irakischen Regierungsrates im Juli 2003, jeweils von rechts nach links. In der ersten Reihe: Ibrahim Jafari, Abdul Aziz Hakim, Jalal Talbani, Massoud Barzani, Mohammed Barhul Uloom, Adnan Pachachi, Nasseer al-Shadershi, Ahmad Chalabi, Samir Mahmud. Dahinter stehen Mohsen Abdul Hamid, Ghazi al-Yawar, Hamid Majid Mussa, Mahmud Ali Osman, Salahedin Bahaeddin, Yonnadam Yussef Kanna, Akila el Hashemi und Shangul Shapuk. In der dritten Reihe, wiederum von rechts nach links Ezzedine Salim, Karim Mahud Hattab al-Mahamadawi, Dahran Nurredin, Muwafaq al-Rubaye, wahel Addul Latif, Iyad Allawi und Rajiha Habib Kurzai´.

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