Krucler, Velic, Blaufränkic

31. Oktober 2005, 16:25
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Dem strapazierten Begriff des "Terroir" verleihen die burgenländischen Winzer Erich Krutzler und Roland Velich mit ihrem "Moric"-Projekt ein reales Unterfutter: Blaufränkisch, bei dem Identität wichtiger ist als Power

Methoden gibt es viele, und sie werden auch gerne angewendet: vom mehr oder weniger natürlichen "Saftabzug", sozusagen einem Entwässern der Rotweinmaische, bis hin zu einigermaßen komplizierten Verfahren wie Umkehrosmose oder Vakuum-Verdampfung, von effektiver Vergärung mit Hilfe von Reinzucht-Hefen und Enzymen über maximale Extraktion mittels monatelanger Maischestandzeit oder Würzung durch Lagerung in Fässchen aus frischer Eiche. Das Ergebnis sind Rotweine, die schon mehr schwarz als rot sind, die schon mehr nach Vanille und Brombeermarmelade als nach Wein riechen, die aufgrund ihres Alkoholgehalts von knappen 14 Prozent den Genuss zu Arbeit auswachsen lassen.

"Die Farbe ist uns beim Wein nicht so wichtig, die hat keine Priorität", meint Winzer Roland Velich, "Delikatesse und Harmonie zählen für uns da einfach mehr". Und Terroir natürlich. Wobei Velich, bekannt als Erzeuger eines der besten Chardonnays des Landes ("Tiglat"), da natürlich vorsichtig ist, denn "Terroir" ist schließlich das aktuelle Modewort im Weinbau, und mit Moden will er - zumindest beim Projekt "Moric" - eigentlich nichts zu tun haben. Die Idee dafür hatten er und Kollege Erich Krutzler, Schöpfer des "Perwolff", des bekanntesten Rotweins des Südburgenlandes, schon vor zwei bis drei Jahren, und zwar ging es im weiteren Sinne darum, die unterschiedlichen regionalen Charakteristiken der Sorte Blaufränkisch zu definieren, "ein geschmackliches Profil des Burgenlandes zu schaffen". So ähnlich wie im Burgund, das in vielerlei Hinsicht als Vorbild auch für das Burgenland tauge, so Velich, aber halt nicht so kompliziert wie dort.

Der erste "Moric" ist ein Wein aus uralten Weingärten vom Lutzmannsburger Plateau, "da sind noch Rebstöcke, die vielleicht hundert Jahre alt sind. Wenn man auf solche Ressourcen zurückgreifen kann, ist das einfach phänomenal." Und das Alter der Weingärten ist schließlich wesentlicher Bestandteil der Moric-Philosophie, schließlich wurzeln die Stöcke tiefer, je älter sie sind, und nehmen damit auch mehr mineralische Stoffe aus dem Boden auf, "Wein gewordenen Boden zu sich nehmen, darum geht's, alles andere ist austauschbar".

Neben dem Alter der Lutzmannsburger Weingärten war es noch die Tatsache, dass hier vom mitunter hysterischen Weinboom der übrigen Rotwein-Zentren Österreichs nur wenig zu bemerken ist, erklärt Roland Velich, außerdem besteht der Boden aus fetten Löss- und Lehm-Schichten, darunter vulkanisches Gestein, somit ideal für Würze, Feuer und Finesse eines Terroir-affinen Rotweins. Dass 2001 ein so genanntes "schwaches" Rotweinjahr war, stört Velich insofern nicht, als sich das Potenzial einer guten Lage gerade in solchen Jahrgängen zeige. So wurde der "Moric, Plateau Lutzmannsburg 2001" denn auch ein besonders fein ziselierter, vornehmer Wein voll Finesse und Distinktion, tatsächlich mehr in Richtung Burgunder tendierend als die augenblicklichen burgenländischen Rotwein-Hämmer, die ja alle eher nach Bordeaux und in die Neue Welt schielen. "Es geht um die puristische Betrachtung des Blaufränkisch", meint Roland Velich, puristisch auch in der Vinifikation: spontan vergoren, keine Reinzuchthefe, nicht irgendwie konzentriert, weitgehend in großen Fässern ausgebaut.

Dieser Purismus hat freilich einen entscheidenden Nachteil, nämlich ziemlich viel Geld zu kosten - im Handel wird eine Flasche demnächst so um die 40 Euro zu erwerben sein. "Wir wollten uns preislich schon in der heimischen Spitze ansiedeln, weil uralte Reben immerhin ein gewisses Kapital sind, und dazu braucht's Geld, weil sonst werden die einfach ausgerissen", versucht Roland Velich der ideologischen Komponente auch noch eine ökonomische beizustellen. Weil man Weine aber eben nicht nur für die "Extrem-Weintrinker" machen wolle, beschlossen Krutzler und Velich also, nach burgundischem Vorbild auch so genannte "Dorflagen" zu keltern, also etwas einfachere Qualitäten, etwas höhere Erträge als es die Methusalem-Weingärten erlauben, Preise so um die 15 Euro pro Flasche.

Neckenmarkt und seine steilen, von Schiefer durchsetzten Weingärten sind jedenfalls die zweite Ausbaustufe des Moric-Projektes, ein Dorflagen-Wein und ein "Alte Reben"-Exemplar kommt von dort, beide von begeisterndem Feuer und Mineralität sowie lebendiger Säure geprägt. Mit Besitzern uralter Weingärten in Oggau - in Nachbarschaft der vielleicht bekanntesten Rotweinlage Österreichs, "Ried Mariental" - und am südburgenländischen Eisenberg (allerdings auf der ungarischen Seite der Grenze) ist man jedenfalls schon in Kontakt, nach einer ersten Konsolidierung, so Velich, solle das Projekt fortgesetzt werden. "Und wenn wir das vier bis fünf Jahre lang machen, und dann keine alten Weingärten mehr bekommen, weil die Winzer ihren Wert entdeckt haben, dann ist das für uns auch okay". (DerStandard/rondo/Florian Holzer/26/09/03)

Moric, bei Morandell, A.V. Stangl, The Winecompany
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