Erste Bank gewinnt Kampf um Ungarns Postabank

28. September 2003, 18:29
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Geldinstitut blättert für bislang teuersten Kauf im Osten 400 Millionen Euro hin - BA-CA und GE Capital deutlich überboten

Wien - "Wir wollten zeigen, wie ernst, wie wichtig uns der Erfolg in Ungarn ist. Wir wollen eine ganz wichtige Rolle spielen." Andreas Treichl, Vorstandsvorsitzender der Erste Bank, ist über den Zuschlag für die bisher staatliche ungarische Postabank mit 113 Filialen, 1600 Mitarbeitern und 480.000 Kunden "höchst erfreut".

"Hoch, aber angemessen"

Den Preis, den sein Institut für Ungarns siebtgrößte Bank zahlen wird, hält er für "hoch, aber angemessen". 101 Milliarden Forint (400 Mio. Euro) muss die Erste überweisen, 70 Millionen Euro mehr, als die Bank Austria-Creditanstalt geboten hat. Der Preis liegt beim 2,7-fachen des Buchwertes der Postabank. In Tschechien zahlte die Erste für die Tschechische Sparkasse den 1,55- fachen Buchwert, in der Slowakei den 1,78-fachen Buchwert.

Treichl führt die "Verteuerung" einerseits auf den nahenden EU-Beitritt zurück, andererseits aber auch auf die Tatsache, dass die Erste Bank "sicher sein wollte zu gewinnen. Heute müssten wir in Tschechien schon mehr als den dreifachen Buchwert zahlen", sagte Andreas Treichl. "Wir haben uns nicht nur am Wert der Postabank orientiert, sondern an den Synergieeffekten, die bei der Fusion mit den bisherigen Aktivitäten der Erste Bank in Ungarn entstehen", so Treichl.

Derzeit Nummer sieben

Die Postabank ist - gemessen an der Bilanzsumme - derzeit Nummer sieben, die Erste Nummer acht. Zusammen werde das Institut zur zweitgrößten Bank Ungarns aufsteigen, sagte Treichl. "Durchaus möglich, dass die Postabank für uns aufgrund unserer Position in Ungarn einfach mehr wert war als für die Mitbewerber." Unangefochtener Marktführer in Ungarn bleibt die OTP-Bank.

Die Synergieeffekte seien beträchtlich, "wir hätten noch mehr bezahlen können, und es hätte sich noch immer gerechnet", so der Erste-Chef.

Die Bank Austria-Creditanstalt (BA-CA), Tochter der bayerischen HypoVereinsbank (HVB), bedauert zwar ihre Niederlage im Bieterrennen, hält den Kaufpreis, den die Erste Bank zahlt, aber für deutlich überhöht.

Finanzierung erledigt

"Wir haben seit Jahren eine hochprofitable Tochter in Ungarn, für die die Postabank sicher eine gute Ergänzung gewesen wäre - aber nicht zu diesem Preis", sagte Bank- Austria-Sprecher Martin Hehemann im Gespräch mit dem STANDARD. Die BA-CA sei mit ihrem Gebot von rund 330 Mio. Euro "bis an die Schmerzgrenze" gegangen. In Ungarn werde die im HVB- Konzern für das Geschäft in Mittel- und Osteuropa zuständige Tochter nun verstärkt auf organisches Wachstum setzen, sagte Hehemann. Darüber hinaus verwies er auf voraussichtlich weitere Möglichkeiten für Zukäufe in der Region, die die Bank prüfen werde.

Die Finanzierung des Kaufpreises sei bereits erledigt, sagte Treichl weiter. "Es wird keine Kapitalerhöhung geben und keine Anleihe. Das Geld haben wir bereits in unserer Tasche. Die Eigenmittelposition verschlechtere sich "um 50 Basispunkte" und werde weiter "komfortabel" über sechs Prozent liegen.

Kein Kommentar über Zukunftsstrategien

Über die zukünftigen Strategien in Ungarn wollte Treichl noch nichts sagen. "Zuerst müssen die Verträge unterschrieben werden." Die Postabank verfügt ähnlich wie die österreichische P.S.K. zusätzlich zu ihren 113 Filialen über einen Postamtsvetrieb, den sie allerdings nicht exklusiv nutzen kann.

Verhandelt wird bis zu den Vertragsunterzeichnungen - vermutlich Mitte Oktober - auch noch über die "Altlasten" der Postabank. Sie stand in den vergangenen Jahren im Mittelpunkt von einigen eher regionalen Finanzskandalen. (Michael Moravec, DER STANDARD Print-Ausgabe, 26.9.2003)

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    Im Rennen um die Postabank hat die Erste Bank BA-CA und GE Capital ausgestochen

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