Hygiene schützt vor Schlaganfall

28. September 2003, 17:16
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Richtige Zahnpflege hört nicht beim Putzen auf: Professionelle Prophylaxe in der Zahnarztpraxis macht Schluss mit Karies und Co und kann sogar Krankheiten wie Diabetes oder Herzinfarkt vorbeugen

Hässliche Löcher in den Zähnen, böse Zahnfleischentzündungen - und der Bohrer tut wieder seinen schmerzhaften Dienst. Karies und Parodontitis stehen bei den Volkskrankheiten an erster Stelle. Schuld daran ist meist mangelnde Vorsorge, sagt Zahnarzt und Prophylaxe-Spezialist Walter Wadsak: "Werden Zähne richtig gepflegt, dann ist Karies fast zu 100 Prozent verhütbar - Zähne putzen alleine genügt da aber nicht."

Zur optimalen Vorsorge gehöre neben der Kontrolle auch die regelmäßige professionelle Zahnreinigung oder Mundhygiene in der Zahnarztpraxis. Zahnbeläge und Bakterien werden dabei beseitigt - auch dort, wo die Zahnbürste nicht hinkommt -, die Zähne anschließend poliert und fluoriert, um sie zu schützen und zu stärken. Zusätzlich gibt es Tipps zur individuellen Zahnpflege. Durchgeführt wird die Behandlung in der Regel von speziell geschulten Prophylaxe-AssistentInnen oder DentalhygienikerInnen.

Obwohl die Mundhygiene bereits von 97 Prozent aller ZahnärztInnen angeboten wird, hat sich ihre Notwendigkeit in Österreich noch wenig herumgesprochen: Bei einer Umfrage des Instituts für Grundlagenforschung gaben nur 33 Prozent der Befragten an, ihre Zähne zusätzlich zur täglichen Pflege auch professionell reinigen zu lassen. Nur 41 Prozent erachteten das als "sehr wirksam". Dabei beugen gut versorgte Zähne auch Krankheiten vor, so Wadsak: "Über das Blut können Bakterien vom Mund in den ganzen Körper gelangen - Zahn- und Zahnfleischerkrankungen begünstigen so unter anderem Schlaganfälle, Diabetes, Thrombosen und Herzinfarkt und können sogar Frühgeburten auslösen."

Individuell verschieden ist die Mundhygiene zwei- bis viermal pro Jahr nötig und kostet pro Sitzung 70 bis 100 Euro. Die müssen allerdings aus der eigenen Tasche bezahlt werden, da Zahnpro- phylaxe von den heimischen Krankenkassen nicht übernommen wird. ZahnärztInnen betrachten das als kurzsichtig, denn, so Wadsak: "Heute vorsorgen spart morgen den Kassen und den KlientInnen Geld. Wer seine Zähne gut pflegt, wird später weniger kostspielige Sanierungsleistungen brauchen." Er plädiere etwa für eine bezahlte, risikobezogene Prophylaxe bei Kindern und Jugendlichen bis zur Volljährigkeit.

Von Kindesbeinen an

Im Idealfall beginnt die Zahnvorsorge schon beim Kleinkind: Ständiges Nuckeln an der Flasche schadet der Zahnbildung, sobald die ersten Zähnchen durchbrechen, sollte man sie schon sanft mit einer kleinen, weichen Bürste reinigen. Um Karies zu verhindern, sollten im Volksschulalter dann die Grübchen der Backenzähne, die Fissuren, mit Kunststoff versiegelt werden, ebenso später die bleibenden Zähne.

Richtiges Putzen trägt auch wesentlich zu gesunden Zähnen bei - ein- bis zweimal pro Tag reicht aus. Nach dem Essen eine halbe Stunde bis Stunde damit warten, sodass der Zahnschmelz sich wieder festigen kann. Über den Sinn von Zahnseide sind sich die Ärzte uneinig. Und: Ein Stückchen Käse kauen schützt vor Karies - es regt den Speichelfluss an und überzieht den Zahn mit Eiweiß und Fett.

Um die heimische Bevölkerung zu mehr Mundhygiene zu motivieren, führt die Bundeskurie der Zahnärzte der Österreichischen Ärztekammer gemeinsam mit einem Zahnpastahersteller derzeit eine Aufklärungskampagne durch: Dabei wird auch ausführlich über die professionelle Zahnreinigung informiert. (Isabella Lechner/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 25. 9. 2003)

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