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26. September 2003, 15:48
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Verhandlungen mit Berliner Rektorskandidat endgültig gescheitert

Innsbruck/Wien - Die Suche nach einem Rektor für die Medizin-Uni Innsbruck beginnt eine Woche vor Semesterbeginn von vorne: In der Nacht zum Mittwoch sind die Verhandlungen mit dem Berliner Anatomieprofessor Robert Nitsch endgültig gescheitert.

"Die Vorstellungen von Professor Nitsch waren so, dass wir uns nicht einigen konnten", sagte der Vorsitzende des Unirates, Helmut Marsoner, im STANDARD-Gespräch. So habe man dem Berliner Mediziner, der an der Charité lehrt, nicht zusagen können, dass es für seine Frau - selbst Professorin im Fachbereich Multiple-Sklerose - in Innsbruck einen adäquaten Forschungsjob geben werde: "Ausgeschrieben war halt nur der Rektor."

Auch bei der Gehaltsfrage - kolportiert wurden, deutschen Verhältnissen entsprechend, zwischen 300.000 und 400.000 Euro im Jahr - konnten sich die Verhandlungspartner nicht einigen.

Kein "end of career"

Nitsch selbst bedauert im Gespräch mit dem STANDARD das Scheitern der Gespräche: "Ich bin sehr enttäuscht, weil ich sehr gerne nach Innsbruck gekommen wäre." Aber unter den gegebenen Rahmenbedingungen sei es für einen 40-Jährigen wie ihn, der kein "end of career"-Kandidat sei, unmöglich, ein Vierjahresamt anzutreten: "Es muss ein Umfeld geben, das langfristige Perspektiven eröffnet und die persönliche Unabhängigkeit sichert. Ich muss wissen, wie es danach weitergehen kann."

Darauf, vor allem auf die Situation ausländischer Wissenschafter, nehme das an sich "sehr, sehr mutige" österreichische Universitätsgesetz 2002 aber keine Rücksicht - und könne sich als "Standortnachteil" entpuppen, meint Nitsch. Denn ein österreichischer Uniprofessor, der Rektor wird, kann sich dafür karenzieren lassen und nach vier Jahren wieder in seinen alten Job zurückkehren. Er, Nitsch, habe diese Sicherheit nicht.

Laut Ratsvorsitzendem Marsoner werden morgen, Freitag, Unirat und Gründungskonvent die neue Strategie festlegen. Man wolle sofort und mit einer möglichst kurzen Frist ausschreiben, um bis Ende Oktober einen Rektor zu haben. Bis dahin wird der Rektor der Uni Innsbruck, Manfried Gantner, beide Unis leiten. (Lisa Nimmervoll/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 25. 9. 2003)

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