Finanzmarktaufsicht: "Struzl muss gehen"

28. September 2003, 18:25
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Verbleib des Voestalpine-Chefs wäre für FMA-Vorstand Pribil ein falsches Signal

Wien - Ein Verbleib des in eine Insiderhandel-Affäre verwickelten Voest-Chefs Franz Struzl wäre ein falsches Signal für Kapitalmarkt, befindet die Finanzmarktaufsicht (FMA). "Struzl muss gehen", sagt FMA-Vorstand Kurt Pribil in der "Presse" (Donnerstagausgabe).

Die Frage, ob Struzl, wie am 19. August mit Aufsichtsratspräsident Rudolf Streicher vereinbart, geht oder ob der Voest-Chef auf Betreiben mancher Getreuer vom Rücktritt zurück tritt und bleibt, verspricht bei der entscheidenden Aufsichtsratssitzung am Montag Hochspannung. Für die FMA stellt sich diese Frage jedenfalls nicht.

Ein Verbleib von Struzl wäre ein "absolut falsches Signal" für den österreichischen Kapitalmarkt sowie die Anleger im In- und Ausland, zumal Insiderhandel international viel strenger verfolgt würde, meint Pribil. Für die FMA, die sich als "moralische Instanz" sieht, stelle sich daher nicht die Frage, ob Struzl noch ein oder zwei Monate bleibt. "Der Aufsichtsrat, der mit dem Vertrauensvotum vom 8. August ohnehin einen Sündenfall begangen hat, muss klar für einen raschen Abgang votieren."

Pribil verweist darauf, dass die Diversion, mit der Struzl einer Verurteilung wegen Insiderhandels entging, ja voraussetze, dass es die Tat gegeben habe. Die Zahlung des Höchstbetrags von 50.000 Euro sei daher eine Art Sühne. Außerdem soll Struzl gegenüber dem Staatsanwalt mehrmals den Tatbestand des Insiderhandels eingestanden haben, heißt es.

"Keinesfalls vergleichbar" sei der Fall Struzl mit jenem heimischer Banker, die einer Kartellstrafe wegen Zinsabsprachen im Lombard-Club ebenfalls per Diversion entgingen, so Pribil zur Zeitung. "Von einer persönlichen Bereicherung wie beim Insiderhandel kann bei den Bankern ja nicht die Rede sein." Der Industrielle Hannes Androsch und RLB OÖ-Chef Rudolf Scharinger hatten, wie berichtet, gerade mit Hinweis auf die Banker eine Lanze für Struzl gebrochen. (APA)

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