"Ein Museum muss ja nichts Verstaubtes sein"

24. September 2003, 18:21
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Standard: Das Haus der Musik versucht seit seiner Eröffnung vor drei Jahren, ohne die Unterstützung der öffentlichen Hand auszukommen. Kann das überhaupt gelingen?

Posch: Die Refinanzierung der Immobilie ist natürlich nur sehr schwer zu erwirtschaften. Aber unser Ziel bleibt es, den Betrieb kostenneutral zu halten. Mit 180.000, 190.000 Besuchern ist die magische schwarze Null zu erreichen.

STANDARD: Diese Null wurde also noch nicht erreicht.
Posch: Derzeit kommen wir auf 160.000 Besucher. Und versuchen daher, den Bekanntheitsgrad zu steigern. Zum Beispiel: Früher haben wir uns nur "Haus der Musik" genannt, aber das war mir zu nichts sagend, da "Haus der Musik" auch eine Musikalienhandlung sein kann. Wir bezeichnen uns nun im Untertitel als "das Klangmuseum". Denn das Wort "Museum" transportiert für mich Kompetenz und Qualität - und muss ja nichts Verstaubtes sein, wie wir beweisen wollen.

STANDARD: Ist das Haus der Musik auch jenes der Wiener Philharmoniker geworden?
Posch: Das ist es - und es wird es immer mehr. Früher wurde strikt zwischen den Sammlungen getrennt, was für den Besucher eher verwirrend war, weil es verschiedene Tickets gab. Jetzt gibt es einen Eintrittspreis. Und ein Teil dieses Hauses ist eben das Museum der Philharmoniker mit dem "WalzerWürfelSpiel" als interaktivem Part, den Originalexponaten, darunter dem Gründungsdekret aus 1842, und dem Konzertraum, in dem wir zu jeder vollen Stunde die Highlights des Neujahrskonzerts in bester Bild- und Tonqualität präsentieren.

STANDARD: Werden auch an der Grundstruktur des Hauses mit den großen Installationen Veränderungen vorgenommen?
Posch: Nein, derzeit nicht. Die "Sonosphere" ist ein in sich abgeschlossenes Konzept, ein Gesamtkunstwerk: Es beginnt mit dem Sinnesrauschen, also den Tönen, die das noch ungeborene Baby hört, und erklärt interaktiv-spielerisch, aber mit einem wissenschaftlichen Hintergrund alle nur denkbaren Klangphänomene. Die Ebene der großen Meister widmet sich Haydn, Mozart, Beethoven, Strauß und Mahler auf zum Teil sehr ungewöhnliche Art und Weise, weil wir zum Beispiel das Phantombild von Mozart des Bundeskriminalamts Wiesbaden zeigen und sehr viel Persönliches und Anekdotisches aufbereitet haben. Hinzu kommt die Hommage an die Zweite Wiener Schule mit Berg, Webern, Schönberg.

STANDARD: Die interaktive Installation "Brain Opera" des MIT (Massachusetts Institute of Technology) hingegen scheint schon ein bisschen veraltet.
Posch: Sie ist tatsächlich ein wenig mein Sorgenkind, auch wenn sie noch gut in Schuss ist und mit der mystischen Komposition des Raumes bei Besuchern hohe Wirkung erzielt. Wir überlegen uns, wie wir sie modernisieren können.
STANDARD: Sie setzen nun verstärkt auf Veranstaltungen, um das Haus der Musik permanent ins Gespräch zu bringen.
Posch: Natürlich, weil der lokale Markt bei weitem noch nicht erschlossen ist. Seit der Eröffnung vor drei Jahren hatten wir erst 90.000 Wiener zu Gast. Es gibt also noch ein großes Potenzial - auch aus den Bundesländern. Wir bieten regelmäßig Eigenveranstaltungen an, den Konzertzyklus "Live on Stage". Der Eintritt kostet 15 Euro, was günstig ist. Und seit kurzem gibt es jeden Dienstag von 17 bis 21 Uhr die "Happy Hour": Museum, Drinks mit Musik und Shopping zum halben Preis.

STANDARD: Das internationale Publikum dürfte aber das für Sie entscheidende sein.
Posch: Ja, der touristische Markt ist für uns natürlich sehr wichtig. Denn der Hauptgrund, warum Touristen nach Wien kommen, ist die Musik, und dieser Nachfrage werden wir mehr als gerecht. Wir sind dabei, weltweit mit Partnern Kooperationen aufzubauen.

STANDARD: Was ist Ihr Anliegen als Museumsdirektor - neben einer positiven Bilanz?
Posch: Den selbst auferlegten Bildungsauftrag erfüllen: dem Besucher einen neuen oder anderen Zugang zum Thema Musik zu ermöglichen. Es gibt viele, die zunächst nur kommen, weil sie an den interaktiven Installationen interessiert sind, zum Beispiel am virtuellen Dirigenten. Und wenn dadurch ein Interesse für die Klassik geweckt werden kann, dann haben wir doch schon einiges erreicht.

Das "Haus der Musik" hat sich unter seinem neuen Direktor einem Relaunch unterzogen: Simon Posch will den Bekanntheitsgrad steigern und weiterhin ohne die Unterstützung der öffentlichen Hand auskommen, wie er Thomas Trenkler im Interview erklärt.
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