Vom "Stürmer" zu den "Abenteuern des Rabbi Jacob"

28. September 2003, 20:43
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Symposium über die Wechselbeziehung zwischen Macht und Zeichen

Der Semiotiker Jeff Bernard feiert heuer seinen 60. Geburtstag - aus diesem Anlass findet in Wien von 26. bis 28. September ein von der Österreichischen Gesellschaft für Semiotik veranstaltetes Symposium statt, das sich speziell einigen von Bernards Arbeitsschwerpunkten widmen wird.

Semiotik als Lehre von den Zeichen und Symbolen hat in Österreich traditionell einen stark soziologischen Zug. Dementsprechend trägt die international besetzte Veranstaltung den Titel "Macht der Zeichen / Zeichen der Macht". Gegliedert in mehrere thematische Sektionen, wird in insgesamt 34 Vorträgen der Frage nachgegangen, in welchen wechselseitigen Zusammenhängen Macht(ausübung) und Zeichen zueinander stehen.

Themenpalette

Wie es dem nahezu allumfassenden Charakter der Semiotik entspricht, ist die Bandbreite der behandelten Themen groß: Jarmila Doubravová etwa nahm die speziellen Rahmenbedingungen von Kommunikation während der totalitären CSSR-Zeit unter die Lupe, geht aber auch auf die sprachliche Gegenwart Tschechiens ein.

Friedrich Lachmayer befasst sich in seinem Vortrag mit den "Masken der Macht", Vilmos Voigt mit den Nationalhymnen Europas und János Kelemen mit machtbezogenen Sprachaspekten in Dantes Dichtung. - Am anderen Ende des zeitlichen Spektrums ist Augusto Ponzios Beitrag "Semiotics of Power, Peace and War" über die Machtmechanismen der globalisierten Welt angesiedelt - mit Krieg als letztem Mittel, das durchaus eingesetzt wird, wie die jüngste Gegenwart zeigte.

Im Zeitalter des Films

In der Sektion "Film und Medien" wird in Vorträgen von Gottfried Schlemmer, Sabine Prokop oder Symposiumsorganisatorin Gloria Withalm der Frage von medial konstruierten Geschlechteridentitäten ebenso nachgegangen wie dem Verhältnis zwischen Zuschauer und Gezeigtem.

Der Vortrag "Verkleidung und Verwandlung" von Sigrid Schmid-Bortenschlager schließlich illustriert die Bedeutung der Kenntnis verschiedener Zeichensysteme an einem besonders unterhaltsamen Beispiel: der Louis de Funès-Komödie "Die Abenteuer des Rabbi Jacob" über einen rassistischen Unternehmer, dem durch die Wirrungen des Schicksals Toleranz eingebläut wird.

Dazu passend - wenngleich deutlich weniger zum Lachen animierend - die das Symposium begleitende Ausstellung "Vom 'Stürmer' gelernt? Politische Karikaturen Ende des 20. Jahrhunderts". Renée Gadsden zeigt darin das Fortleben antisemitischer Stereotype bis in die Gegenwart und deren Übertragung auf den Staat Israel als neue Zielscheibe der Anfeindung.

Zum Ablauf

Die Vorträge werden großteils auf Deutsch, manche auch auf Englisch gehalten - Details zum Programmablauf finden Sie in der linken Spalte. (red)

Internationales Transdisziplinäres Symposium Macht der Zeichen / Zeichen der Macht
Zum 60. Geburtstag von Jeff Bernard

Zeit:Freitag bis Sonntag, 26.-28. September 2003

Ort: Universität für angewandte Kunst Wien Oskar Kokoschka-Platz 2, A-1010 Wien Hörsaal 1 (Erdgeschoß, vom Eingang rechts)

Zum Programmablauf

Kontaktmöglichkeit und weitere Informationen auf der Webseite des Symposiums
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    Spiel mit Stereotypen: Louis de Funès in "Die Abenteuer des Rabbi Jacob"

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