Serbischer TV-Sender "Ju Info" per Gerichtsbeschluss geschlossen

25. September 2003, 08:29
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Wegen finanzieller Probleme - Sender stand im Dienst von Ex-Präsident Milosevic

Der serbische TV-Sender "Ju Info" ist wegen finanziellen Problemen per Gerichtsbeschluss geschlossen worden, berichtete am Mittwoch die Tageszeitung "Danas". Der vom Regime des Ex-Präsidenten Slobodan Milosevic gegründete Sender hatte in den späten neunziger Jahren das Ziel, mit seinem Programm vor allem die montenegrinischen Behörden zu destabilisieren. Der vor fünf Jahren entstandene Sender hatte eine landesweite Frequenz, wobei die Relais in Montenegro trotz Protesten vom Militär bewacht wurden.

Nach der Wende in Belgrad im Oktober 2000 hat "Ju Info" wie andere föderale Medien auch seine Redaktionspolitik geändert. Der schlechte Ruf blieb jedoch. Anfang des Jahres hatte der Sender seinen Namen in "Info 24" geändert, was aber wenig nutzte. Nach der Umbildung der jugoslawischen Föderation hatten sich die Finanzprobleme des Senders weiter verschlechtert. Schließlich wurde im März ein Konkursverfahren eingeleitet. Nun folgte die Schließung.

Spekulationen

Der Beschluss des Belgrader Handelsgerichtes über eine endgültige Programmeinstellung, wodurch 136 Beschäftigte arbeitslos wurden, hat indes auch etliche Spekulationen aufkommen lassen. Unter anderem ist zu hören, dass der TV-Sender mit einer landesweiten Frequenz für einen anderen Sender geopfert worden sei. Die Geschäftsführung von "Info 24" war in den vergangenen Monaten intensiv darum bemüht, den Sender zu privatisieren.

Nachdem das serbische Parlament im vergangenen Frühjahr einen Rundfunkrat gebildet hatte, soll dieser in den kommenden Monaten über die Zuteilung von Frequenzen an TV-Sender entscheiden. Etliche davon strahlen ihr Programm ohne offizielle Genehmigung aus. Schon jetzt steht fest, dass viele Sender - ihre Zahl geht in die Hunderte - das Programm einstellen werden müssen. (APA)

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