Im Telekom-Übernahmepoker ist Mannesmann wieder am Zug

13. Jänner 2000, 12:15

Am Freitag kommt formelle Entgegnung des Vodafone-Umtauschangebot

Düsseldorf - Im Übernahmepoker um die Mannesmann AG ist das Düsseldorfer Unternehmen wieder am Zug. Am Freitag will Mannesmann seine formelle Entgegnung auf das als unerwünscht betrachtete Umtauschangebot der britischen Mobilfunkgesellschaft Vodafone Airtouch veröffentlichen.

Für Vorstandschef Klaus Esser bietet sich eine weitere Gelegenheit, die Aktionäre davon zu überzeugen, dass sie mehr gewinnen, wenn sie bei Mannesmann bleiben und das Angebot zum Tausch in Vodafone-Aktien ablehnen.

Branchenexperten wie auch Investoren halten es allerdings für unwahrscheinlich, dass die Präsentation Essers tatsächlich solche Entscheidungen nach sich zieht.

Die meisten Aktionäre werden sich nach Einschätzung von Analysten bis kurz vor Ablauf der Zeichnungsfrist am 7. Februar mit ihrer Entscheidung Zeit lassen. Warum, so wird gefragt, sollte man sich jetzt schon festlegen, wo doch jede Seite fast täglich mit Neuigkeiten an die Öffentlichkeit tritt?

Neuigkeiten werden gleichwohl am Freitag von Mannesmann erwartet. Das Spektrum reicht dabei von Präzisierungen schon veröffentlichter Prognosen bis zu wirklichen Überraschungen. Als solche könnte Analysten zufolge die Ankündigung einer weiteren Firmenübernahme gelten.

In den vergangenen Tagen kursierten mehrfach bereits entsprechende Gerüchte um die Kölner Telefongesellschaft NetCologne und den französischen Pay-TV-Sender Canal Plus. Durch einen solchen Schritt würde Mannesmann wertvoller, das ohnehin als unangemessen niedrig bezeichnete Umtauschangebot nach dieser Logik unattraktiver. Vodafone müsste sein Angebot aufbessern. Das aber will deren Vorstandschef Chris Gent erklärtermaßen nicht tun. Vodafone bietet 53,7 eigene Aktien für eine Mannesmann-Aktie.

Ein Thema dürfte den Branchenkennern zufolge am Freitag die neuerdings zum Mannesmann-Konzern gehörende britische Mobilfunkfirma Orange sein. Mannesmann hatte am Montag mitgeteilt, mit Orange würden ab dem Jahr 2003 Synergien von jährlich 1,2 Mrd. Euro (16,5 Mrd. S) erzielt.

Analysten möchten gerne genau wissen, wie sich diese Summe zusammensetzt, in welchen Geschäftsfeldern welche Einsparungen erwartet werden. Außerdem beschäftigt die Beobachter des Übernahmekampfes auch der öffentlich zwischen den Gegnern ausgetragene Streit um die Zukunft von Orange im Falle einer Übernahme Mannesmanns durch Vodafone.(APA/sda/reuters)

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