Mensch litt vor 2.500 Jahren an Down-Syndrom

29. September 2003, 14:31
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Deutsche Wissenschafter weisen Symptome am Skelett nach - geringe Häufigkeit von Funden als Indiz für "moderne" Krankheitsursachen gewertet

Tübingen - Wissenschafter der Universität Tübingen haben an einem 2.500 Jahre alten Skelett das Down-Syndrom nachgewiesen. Der Nachweis der Chromosomen-Aberration "Trisomie 21" sei den Humanbiologen Alfred Czarnetzki, Nikolaus Blin und Carsten M. Pusch gelungen, teilte die Universität am Mittwoch mit. Die Forscher haben die typischen Symptome der Krankheit am Skelett einer Frau entdeckt, die vor rund 2.550 Jahren bei Tauberbischofsheim im Alter von 18 bis 20 Jahren gestorben war.

Untersuchungsergebnisse

Die Wissenschafter hatten Skelettreste von 7.063 prähistorischen und historischen Menschen aus der osteologischen Sammlung der Universität untersucht. Zahlreiche Besonderheiten am Skelett der jungen Frau seien typisch für das so genannte Down-Syndrom, das durch das dreifache Vorhandensein des Chromosom 21 verursacht wird.

Die Symptome umfassen den Angaben zufolge eine Verflachung des Gesichtsschädels und eine stärkere Abrundung des Gehirnschädels, Veränderungen an der Schädelbasis, eine verzögerte Verknöcherung der Wachstumsfugen, eine Steilstellung der Darmbeine des Beckens, eine verminderte geistige Leistungsfähigkeit und eine geringe Lebenserwartung.

Häufigkeiten

Das Krankheitsbild trete vorwiegend bei Kindern von Frauen auf, die das 35. Lebensjahr überschritten haben. Bei diesen Frauen sind in der Gegenwart 0,3 Prozent aller Kinder betroffen, bei 15-jährigen Müttern dagegen nur 0,06 Prozent, wie die Universität mitteilte. Vor 2.550 Jahren, während der so genannten Hallstatt- oder frühen Keltenzeit, lag die Lebenserwartung einer Frau bei 20 bis 30 Jahren. Da Frauen sehr früh Kinder bekamen, kann man für diese Zeit eine Erkrankungswahrscheinlichkeit in der Größenordnung der 0,06 Prozent erwarten.

Die untersuchte Stichprobe enthielt aber nur eine erkrankte Person unter mehr als 7.000 Skeletten, was einer Häufigkeit von gut 0,01 Prozent entspricht. Die Biologen schließen daraus, dass andere Risikofaktoren für Trisomie 21, beispielsweise das Rauchen oder die Einnahme von Verhütungsmitteln, für die größere Häufigkeit der Krankheit bei heutigen Geburten verantwortlich sind. (APA/AP)

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